Lettische Abwertungsgerüchte belasten
Schwedische Krone verliert kräftig an Wert

Spekulationen über eine eventuell bevorstehende Abwertung des lettischen Lat haben der schwedischen Krone schwer zugesetzt: Innerhalb nur weniger Tage hat die schwedische Krone gegenüber dem Euro 40 Öre verloren und gegenüber dem Dollar 30 Öre eingebüßt.

STOCKHOLM."Ein Wort zur Begründung genügt: Baltikum", sagt Robert Bergqqvist, Chefvolkswirt bei der schwedischen Bank SEB. Die SEB und der einheimische Konkurrent Swedbank sind die mit Abstand größten Banken in den baltischen Ländern Estland, Lettland und Litauen. Die SEB hat insgesamt 166 Mrd. Kronen (15,5 Mrd. Euro), die Swedbank sogar 217 Mrd. Kronen im Baltikum ausgeliehen.

Alle drei baltischen Staaten haben ihre Währungen an den Euro gebunden. Doch seitdem die Volkswirtschaften im Baltikum eine Vollbremsung machten, Lettland sogar den Internationalen Währungsfonds um einen Notkredit bitten musste, tauchen in regelmäßigen Abständen immer wieder Gerüchte über eine Abwertung in den kleinen osteuropäischen Staaten auf. Zuletzt geschah das, als die schwedische Reichsbank am Mittwoch dieser Woche ankündigte, die Währungsreserven um 100 Mrd. Kronen zu verstärken. Sogleich kamen Spekulationen auf, die Reichsbank benötige die Währungsreserven, um entweder die schwedischen Banken bei einer Abwertung in Lettland zu stärken oder dem Land direkt zu helfen, die eigene Währung zu verteidigen.

Das Problem bei einer Abwertung in Lettland: Rund 85 Prozent aller Kredite sind Kredite in Euro. Eine Abwertung hätte zur Folge, dass viele Kreditnehmer ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen könnten und die schwedischen Banken hohe Kreditverluste verbuchen müssten. Die Reichsbank in Stockholm begründete ihren Schritt damit, dass sie während der Finanzkrise amerikanische Dollar an schwedische Banken ausgeliehen und ihr Engagement im Internationalen Währungsfonds ausgebaut habe. Deshalb sei eine Aufstockung notwendig.

In Estland, Lettland und Litauen haben die jüngsten Spekulationen zu erneuter Unruhe geführt. Die Zentralbankchefs in den drei Ländern wiesen jegliche Abwertungsabsichten weit von sich. Eine Abwertung sei kontraproduktiv, erklärten sie. Einig sind sich die meisten Experten, dass eine Abwertung in einem der drei Länder die beiden anderen mit in den Strudel ziehen würde.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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