Libyen-Kämpfe
Ölpreis steigt wieder in Richtung 120 Dollar

Nach tagelangem Stillstand nimmt der Preis für Brentöl wieder Kurs auf sein Jahreshoch bei gut 120 Dollar. Die Märkte erwarten kein baldiges Ende der Kämpfe in Libyen mehr. Brent kostet ein Viertel mehr als Ende 2010.
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DüsseldorfDie nachlassende Hoffnung auf ein rasches Ende der Kämpfe in Libyen hat dem Ölpreis am Donnerstag neuen Auftrieb gegeben. Ein Fass der Nordseesorte Brent verteuerte sich um gut zwei Prozent auf 117,17 Dollar, US-Leichtöl WTI kostete mit 106,27 Dollar ebenfalls zwei Prozent mehr. Ein baldiges Ende der Kampfhandlungen sei nicht in Sicht und die Wiederaufnahme der Öllieferungen daher in weite Ferne gerückt, schrieben die Analysten der Commerzbank in einem Kommentar.
In Libyen haben die Rebellen zuletzt wieder an Boden verloren. Die Aufständischen kämpften mit Truppen des Machthabers Muammar Gaddafi um die Kontrolle über die Ölstadt Brega im Osten Libyens. Ras Lanuf und Es Sider, die westlich von Brega liegen, sind wieder in der Gewalt der Gaddafi-Truppen.
Angesichts der seit Wochen tobenden Unruhen im arabischen Raum hat der Brentpreis den höchsten Quartals-Anstieg seit zwei Jahren hingelegt. Das Nordseeöl legte seit Januar um 23 Prozent zu, WTI um rund 16 Prozent.
Auch in Syrien gingen die Proteste unvermindert weiter. Unter dem Eindruck von Massendemonstrationen will der syrische Präsident Baschar al-Assad nun die Aufhebung des 1963 verhängten Notstandes prüfen. Die Aufhebung des Notstandes ist eine Kernforderung der Demokratiebewegung, die seit gut zwei Wochen in Teilen des Landes demonstriert.

Auch Metalle werden teurer

Die Unruhen in der arabischen Welt machten sich am Donnerstag auch beim Goldpreis bemerkbar. Das Edelmetall kletterte je Feinunze um mehr als ein Prozent auf 1439,30 Dollar - und notierte damit fast 30 Dollar über seinem Tief von Anfang der Woche. Auch die weiterhin ungelöste europäische Schuldenkrise ließ die Anleger laut Händlern den sicheren Hafen Gold ansteuern. Die Ratingagentur Moody's schloss weitere Herabstufungen von Euro-Ländern am Donnerstag nicht aus. Der dauerhafte Euro-Rettungsmechanismus sei lückenhaft und reiche nicht aus, um die Probleme des Währungsraumes zu lösen, hieß es.

Im Fokus haben die Finanzmärkte derzeit zurzeit vor allem Portugal. Am Donnerstag wurde bekannt, dass das südeuropäische Land ein größeres Haushaltsdefizit erwirtschaftet hat als erwartet. Die Rendite zehnjähriger portugiesischer Staatsanleihen zog daraufhin auf bis zu 8,7 Prozent an und lag damit so hoch wie nie zuvor. Finanzexperten gehen davon aus, dass das Land seine Schieflage nicht aus eigener Kraft überwinden kann und deswegen unter den Euro-Rettungsschirm EFSF flüchten muss.

Auf Erholungskurs gingen die Industriemetalle: Kupfer verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 9429 Dollar je Tonne, nachdem es am Vortag deutlich abgerutscht war. Das vor allem im Bau und der Elektro-Industrie eingesetzte Metall hatte zuletzt unter Spekulationen auf eine nachlassende Nachfrage aus China gelitten. Analysten gehen aber davon aus, dass sich die Erwartungen eines massiven Angebotsdefizit bewahrheiten könnten und die Preise daher schon bald zu neuen Höhenflügen ansetzen könnten. „Die Nachfrage nach Kupfer dürfte zunächst einmal ungebrochen bleiben“, sagte Alex Heat von RBC Capital.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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