Libyen-Krise treibt Preise: Ölmarkt steht vor neuen Turbulenzen

Libyen-Krise treibt Preise
Ölmarkt steht vor neuen Turbulenzen

Die Ölpreise nehmen Kurs auf ihre Jahreshöchststände. Europäisches Brentöl kostete im Zuge der Eskalation in Libyen am Montag fast 116 Dollar je Barrel. Auch der Goldpreis steigt wieder an.
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DüsseldorfDie Militäraktion westlicher Staaten in Libyen und die Unruhen in anderen arabischen Ländern haben den Ölpreis am Montag in die Höhe getrieben. Das Fass der für Europa wichtigen Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich um 1,8 Prozent auf 115,93 Dollar je Barrel. US-Öl der Sorte WTI legte 1,9 Prozent auf 102,96 Dollar pro Fass zu. „Es zeigt sich eine weitere Eskalation der Lage, und der Schaden an der Infrastruktur könnte größer werden“, sagte Rohstoff-Analystin Amrita Sen von Barclays Capital.

Streitkräfte Frankreichs, Großbritanniens und der USA greifen seit Samstag Ziele im Ölstaat Libyen an. Der Export von libyschem Erdöl war wegen der gewaltsamen Unruhen gegen Machthaber Muammar Gaddafi allerdings zuvor schon praktisch zum Erliegen gekommen. Auch in anderen arabischen Ländern wie Syrien und dem Jemen hatte es zuletzt teils gewaltsame Proteste gegeben. Mit Nervosität blickt der Ölmarkt auf die Lage in dem wichtigen Förderland Saudi-Arabien. Dort hatten sich am Wochenende Demonstranten unbeirrt von starker Polizeipräsenz vor dem Innenministerium versammelt. „Unsicherheit und Angst treiben den Ölpreis kurzfristig hoch“, sagte Matthew Lewis, Analyst bei CMC Markets.

In Reaktion auf die Krise im arabischen Raum deckten sich Anleger mit dem als sicherer Hafen geltenden Gold ein. Die Feinunze des Edelmetalls verteuerte sich um ein Prozent auf 1433,15 Dollar beziehungsweise 0,9 Prozent auf 1009,75 Euro. „Offensichtlich sind es die Spannungen im Nahen Osten, verbunden mit einem im Vergleich zum Euro deutlich schwächeren Dollar, die dem Gold den aktuellen Schwung geben“, sagte Darren Heathcote, Leiter des Handels bei Investec Australia. „Wenn der Dollar schwach bleibt und wir weitere Unruhen im Nahen Osten sehen, dann gibt es gute Chancen, dass Gold sein Rekordhoch testet.“ Der Preis des Edelmetalls war am 7. März auf ein Rekordhoch auf bis zu 1444,40 Dollar gestiegen.

Der Kupferpreis stabilisierte sich bei gut 9500 Dollar je Tonne. „Meine erste Reaktion ist: Wie widerstandsfähig ist doch der Markt angesichts einer der größten Naturkatastrophen in einem entwickelten Land und der Bombenangriffe in Nordafrika“, sagte Joel Crane, Analyst von Morgan Stanley im Hinblick auf die Lage in Japan und Libyen.

„Das ist ein ziemlich guter Indikator dafür, wo der Markt hinsteuert. Kupfer hat sich in der Spanne zwischen 9000 und 10.000 etabliert, und selbst wenn der Weltmarkt unsicher ist, gibt es einen Boden.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Das ist der blanke Hohn! Die Märkte haben also kein Vertrauen in den Erfolg der Alliierten und die Situation vorher fanden sie beruhigender? Und das was in Fukushima geschieht, beeinträchtigt die Weltwirtschaft und damit den Ölverbrauch also nur in zu vernachlässigender Weise?

    Ich muss mich für das harte Wort entschuldigen, aber wer glaubt diesen Schwachsinn eigentlich noch?

    Wann wird dieses überaus destruktive Spekulationstheater endlich beendet? Wenn es zu spät ist?

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