Machtkampf am Ölmarkt
Saudi-Arabien testet Amerikas Schmerzgrenze

Die USA überschwemmen die Welt mit billigem Schieferöl. Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien hat Angst um seine Marktmacht und schlägt nun zurück. Verbraucher können vom Preiskrieg der Ölstaaten nur profitieren.
  • 25

New YorkDer Schieferöl-Boom hat die Machtverhältnisse in der Energiewelt verschoben: Dank der Fracking-Revolution sind die USA dabei, die Vorherrschaft zu übernehmen. Saudi Arabien versucht durch Öl-Dumping, das die Preise unter die Produktionskosten von US-Firmen treiben soll, den Schiefer-Boom zu stoppen.

Das Ergebnis: Überversorgung, die Ölpreise sind im freien Fall – seit Sommer haben sie um etwa ein Viertel eingebüßt. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der US-Sorte WTI kostete in der vergangenen Woche weniger als 75 Dollar und war damit so billig wie seit über vier Jahren nicht mehr. Während Verbraucher vom Preiskrieg profitieren, spitzt sich die Lage für viele Ölstaaten zu.

„Die USA werden als neues Schlachtfeld betrachtet“, sagt Expertin Amrita Sen vom Analysehaus Energy Aspects. Das Fracking, bei dem tiefliegende Gesteinsschichten angebohrt und das dort lagernde Schiefergas und -öl mit Hilfe von Chemikalien gelöst wird, hat der US-Energieindustrie einen rapiden Aufstieg beschert.

Die Rohölproduktion lag laut der Energiebehörde EIA zuletzt erstmals seit den 70er Jahren wieder bei mehr als neun Millionen Barrel pro Tag. „Wenn es um Rohöl und fossile Brennstoffe geht, platzen die USA aus allen Nähten“, sagt Edward Morse, Leiter der Rohstoffanalyse bei der Citigroup.

Amerika überschwemmt die Welt mit billigem Öl. Das drückt die Profitabilität und lässt die Marktmacht schwinden in Ölstaaten wie Saudi-Arabien, dem größten Produzenten des Opec-Kartells. Bislang hielten die Saudis bei Preisverfall stets dagegen, indem sie das Angebot verknappten.

Diesmal nicht – Anfang November gewährten sie US-Kunden sogar einen überraschenden Sonderrabatt. Dahinter dürfte Kalkül stecken: Viele Beobachter gehen davon aus, dass die Saudis die Schmerzgrenze der US-Förderindustrie testen wollen.

Kommentare zu " Machtkampf am Ölmarkt: Saudi-Arabien testet Amerikas Schmerzgrenze"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die großtechnische direkte Umsetzung von Methan in flüssige Kraftstoffe gelingt. Der Fortschritt in der Katalysatorforschung beschleunigt sich von Tag zu Tag.Dann könnte man Kraftstoffe "nach Maß" designen. Urplötzlich könnte Öl nur noch das Heizwertäquivalent von Kohle wert sein.

  • Die Saudis fördern dieses Jahr ca 200000 Barrel am Tag mehr als im Mittel von 2009 bis 2013. Das bei einem Tagesverbrauch von ca. 87 Mio. Barrel am Tag.
    So gewaltig wäre es nicht, wenn der Iran, Venezuela und Russland die Produktion senken würden.
    Immerhin fördert Russland fast soviel wie Saudi Arabien.

  • Hat die Russen ja keiner gezwungen ihren Staat auf einem Ölpreis von 100 Dollar zu bauen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%