Mangel an Krediten
Finanzkrise trifft Sojafarmer

In den wichtigsten Soja-Exportländern Südamerikas hat die Aussaat für die Ernte 2008/2009 zögerlich begonnen. In Argentinien, Paraguay und Brasilien sind die Farmer nach den Preiseinbrüchen an den Rohstoffmärkten und wegen der künftigen Entwicklung bei den Kosten und den Sojapreisen stark verunsichert.

SAO PAULO . Zudem trifft die Finanzkrise auch die Farmer in ganz Südamerika: Sie haben weniger Kredit zur Verfügung, um die Böden zu bearbeiten. In Brasilien, dem wichtigsten Ausfuhrland hoffen die Farmer, dass die Regierung noch in diesen Tagen mit einem Kreditprogramm die Branche unterstützt. Die Produzenten in Argentinien leiden zusätzlich unter den starken Wechselkursverschiebungen der vergangenen Wochen. Sie warten daher bis zum letzten Zeitpunkt, um zu sehen, wohin sich die Preise für Dünger, Saatgut und Pestizide entwickeln. "Derzeit macht es wenig Sinn zu pflanzen", sagt Gustavo Grobocopatel, der größte Soja-Produzent Argentiniens. Das Land ist die Nummer zwei weltweit unter den Ausfuhrländern; die Aussaat hat sich hier bereits um einige Wochen verzögert.

"Doch den Farmern bleibt nicht viel anderes übrig als zu pflanzen", sagt Rodolfo Rossi von der Sojaproduzenten-Vereinigung ACSOJA: Die erwarteten Erträge für Weizen, Mais oder Sonnenblumen sind noch geringer als für Soja, zudem sind die anderen Kulturen anfälliger für widrige Klimaveränderungen.

In Paraguay, Nummer vier unter den Exporteuren weltweit, sind es zudem politische Gründe, welche den Saison-Spart verzögern: Dort hindern Konflikte zwischen den - meist aus Brasilien eingewanderten - Sojafarmern und der "Landlosenbewegung", dass die Felder bestellt werden können. Der gerade angetretene Präsident Fernando Lugo will zudem die Landflächen für den Anbau von Soja begrenzen. "Wir waren bisher davon ausgegangen, dass die Sojafläche massiv ausgeweitet wird", sagt Luis Cubilla von der paraguayischen Getreide-Exportkammer Capeco, "jetzt rechnen wir, dass sie etwa gleich bleiben wird in diesem Jahr." In allen genannten Staaten stehen Soja und Sojaderivate (Schrot, Öl) ganz oben auf der Liste der Ausfuhrgüter und sind entscheidend für eine positive Handelsbilanz.

Die Kalkulation der Sojafarmer wird durch die Preisentwicklung zusätzlich erschwert. Wie die Quotierungen in einigen Monaten aussehen, ist wegen der Finanzkrise noch schwerer abzuschätzen als sonst. Zuletzt sind die Notierungen wie auch andere Rohstoffpreise stark eingebrochen. Dabei kann auch für die Entwicklung des Weltmarkpreises die verzögerte Aussaat in Südamerika eine Rolle spielen: "Die Farmer brauchen jetzt Kredit, denn wenn die Saatzeit in 30 Tagen vorbei ist, dann ist der Schaden schon geschehen", sagt José Mario Schneider, von der Brasilianischen Landwirtschaftkonföderation CNA.

"Wir müssen Südamerika genau im Auge behalten", sagt Betsy Jensen, Getreideexpertin von der Universität Northland in den USA "es wird sich zeigen, ob fehlender Kredit dort die Ernten stärker reduzieren wird als bisher erwartet." Auch wenn die Agrarflächen für Soja nach den bisherigen Prognosen sogar leicht steigen werden, heißt das noch nicht, dass auch die Erntemenge zunehmen wird. "Es wird sich bis zum Jahresende zeigen, ob die Farmer das Kapital haben für Dünger und Pestizide, um die Produktivität halten zu können", sagt Jensen, "bis dahin wird der Markt nervös bleiben".

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