Marktstabilisierung
Opec einigt sich auf Fördergrenze

Mit einer neuen Förderobergrenze für Rohöl sorgt die Opec für Stabilität am Markt. Zusammen 30 Millionen Barrel dürfen die Opec-Mitglieder demnach pro Tag fördern. Experten erwarten keine Auswirkungen auf den Preis.
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WienDie Opec-Länder haben sich auf eine neue Obergrenze für die Ölförderung verständigt. Künftig dürfen die zwölf Mitgliedstaaten maximal 30 Millionen Barrel Rohöl (159 Liter) pro Tag produzieren. Auf den Weltölmärkten sollte diese Entscheidung vor allem für Ruhe und Stabilität sorgen. Auch bei den Preisen dürfte sich nicht allzu viel ändern, ein Barrel wird weiterhin mehr als 100 US-Dollar kosten.

„Die Obergrenze von 30 Millionen Barrel werden wir nicht überschreiten“, betonte Opec-Generalsekretär Abdullah El-Badri gestern in Wien nach der Entscheidung der zwölf Opec-Ölminister. Auch wenn Libyen nach dem Ende des Bürgerkriegs wieder sein volles Produktionsniveau erreiche, werde es bei diesem Produktionsvolumen bleiben. Mit dem aktuellen Preisniveau sei die Opec, die beim Öl auf einen Weltmarktanteil von etwa 40 Prozent kommt, völlig zufrieden. Angebot und Nachfrage seien derzeit in einem Gleichgewicht.

Beim vorangegangenen Opec-Treffen im Sommer hatten sich die zwölf Förderländer nicht auf eine gemeinsame Obergrenze einigen können. Besonders groß war der Gegensatz zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Während die Saudis damals auf dem Höhepunkt der Libyen-Krise mehr Rohöl produzieren wollten, hatten sich die Iraner für reduzierte Fördermengen ausgesprochen.

„Diese Entscheidung ist gut für die Opec“, sagte Ehsan Ul-Haq, Ölmarktexperte beim Londoner Beratungshaus KBC. Die zwölf Länder hätten einen Kompromiss gefunden und würden wieder mit einer Stimme sprechen. Mit dieser Entscheidung würden die aktuellen Marktbedingungen festgeschrieben. „Auf dem Markt ist genug Öl vorhanden, der Preis für ein Barrel wird weiterhin über 100 Dollar liegen“, betonte Ul-Haq.

Der Iran gestehe mit seiner Bereitschaft zum Kompromiss letztlich auch ein, dass Saudi-Arabien der größte Spieler am Ölmarkt sei und auch innerhalb der Opec die Vorherrschaft besitze, so Ul-Haq weiter. Saudi-Arabien produziert etwa zehn Millionen Barrel am Tag, also ein Drittel der gesamten Opec-Förderung. Als der Iran im Sommer höhere Opec-Fördermengen ablehnte, hatten die Saudis einfach von sich aus ihre Fördermengen erhöht und damit die fehlenden Lieferungen aus Libyen ersetzt.

Mit der neuen offiziellen Obergrenze von 30 Millionen Barrel erkennt die Opec die tatsächlichen Bedingungen an den Rohstoffmärkten an. Die 30 Millionen Barrel werden auch jetzt schon produziert, aber eben ohne offizielle Billigung der Opec und vor allem durch die einseitige Produktionsausweitung von Saudi-Arabien. Vor drei Jahren hatte die Opec das letzte Mal eine offizielle Obergrenze beschlossen, 2,8 Millionen Barrel weniger als jetzt.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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