Marktteilnehmer setzen auf Erholung der Weltwirtschaft
Ölpreis: Die Preiskorrektur kommt

Der Ölmarkt steht nach einer viermonatigen Rally offenbar vor einem Rückschlag.

HB FRANKFURT. "Wir sehen kurzfristig ein Korrekturpotenzial nach unten. Die Preise waren zuletzt sehr schnell nach oben gelaufen, was nicht von den Fundamentaldaten gedeckt war", sagte am Montag Andy Sommer, Ölanalyst beim Schweizer Energiehändler EGL Gruppe. Autofahrern und Industriekonzernen dürfte jedoch wenig Zeit zum Luftholen bleiben: Experten rechnen damit, dass der Preis für den wichtigen Energielieferanten zum Jahresende bereits wieder das aktuelle Niveau erreicht hat.

Seit Mitte Februar hatte sich der Preis für das Fass (159 Liter) US-Öl WTI auf etwas über 73 Dollar am Donnerstag der Vorwoche mehr als verdoppelt, am Montag gab die Notierung wieder geringfügig auf rund 71 Dollar nach. Selbst die Unruhen in Teheran nach der Präsidentenwahl im Iran vermochten den Ölpreis zunächst nicht zu stützten. Der Preis für ein Fass Nordseeöl zur Lieferung im Juli rutschte knapp unter 70 Dollar. Analysten führten die Rally auf Hoffnungen auf eine weltweite konjunkturelle Erholung und einen daher wieder steigenden Ölverbrauch zurück. Zudem sei viel spekulatives Geld in den Markt geflossen, sagte ein Analyst. "Es gibt viel Geld, das herumvagabundiert und eine Anlagemöglichkeit sucht."

Der Ölmarkt ist nach Einschätzung der Experten allerdings der Konjunktur davongerannt - und muss nun Luft holen. "Angesichts der aktuellen Fundamentaldaten ist der Preis sogar eher zu hoch und spiegelt die erwartete Verengung des Marktes bereits wider", heißt es in einer Marktstudie der Commerzbank. Viele Experten sagen daher ein Rückschlagspotenzial auf rund 60 Dollar voraus.

LBBW-Experte Frank Schallenberger rechnet mit diesem Niveau für September. Die Marktteilnehmer hätten zuletzt einige Faktoren ausgeblendet, die gegen steigende Ölpreise sprechen. Dazu gehören laut Schallenberger unter anderem der zuletzt gesunkene Verbrauch und Gedankenspiele des Förderkartells Opec über eine Produktionsausweitung. 60 Dollar pro Fass gelten am Ölmarkt für Experten als wichtige Marke, da viele Förderprojekte erst ab diesem Preis rentabel seien.

Konjunkturerholung dürfte Ölpreis stützen

Zum Jahresende hin dürfte Öl nach Einschätzung der Experten dann wieder teurer werden. "Die Zeichen stehen auf eine Stabilisierung der Weltkonjunktur. Dieses Umfeld spricht für wieder steigende Preise", sagte Sommer. Trete dieses Szenario ein, dürfte die Nachfrage das Angebot überschreiten und die Lagerbestände sinken.

Wegen der Aussicht auf eine konjunkturelle Erholung hatten die Analysten der US-Bank Goldman Sachs kürzlich ihr Preisziel für Öl zum Jahresende sogar auf 85 von 65 Dollar je Fass angehoben. Die Bank hatte im Vorjahr für Aufsehen gesorgt, als die einen Ölpreis von 200 Dollar je Fass vorausgesagt hatte. Statt dessen war im Sommer 2008 bei rund 147 Dollar je Fass WTI nach Expertenmeinung die Spekulationsblase geplatzt - der Preis stürzte daraufhin bis Dezember auf unter 33 Dollar ab.

Die deutsche Wirtschaft kann nach Experteneinschätzung mit einem Preisniveau von rund 70 Dollar gut leben. "Sicherlich erhöht eine Preissteigerung bei Öl die Produktionskosten für die Unternehmen und die Benzinpreise für die Verbraucher. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt aber, dass solch eine Größenordnung verkraftbar ist", sagte Konjunkturexperte Torsten Schmidt vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen. Die Unternehmen haben seinen Worten zufolge ihre Effizienz gesteigert, so dass die Bedeutung des Öls abgenommen habe. Belastet von teurem Öl würden aber nach wie vor transportintensive Branchen.

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