Massive Dollarzuflüsse
US-Anleger flüchten aus Europa

US-Investoren glauben offenbar nicht, dass die Europäer ihre Probleme lösen werden. Im Gegenteil: Zum ersten Mal seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 ziehen die Amerikaner ihr Geld aus Europa ab.
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Bis vor vier Monaten hat JKMilne Asset Management mindestens die Hälfte des Anlagevolumens ihres weltweiten Fonds außerhalb der USA investiert. Diese Zeiten sind nun vorbei. Angesichts der Euroraum-Schuldenkrise hat der Vermögensverwalter aus Fort Meyers, Florida, nun sämtliches Kapital in Dollar investiert.

“Das ist eine einträgliche Strategie”, sagt der Vorstandsvorsitzende John Milne. “Angesichts des Ausmaßes des Problems besteht die Gefahr von Ansteckungseffekten.”

Viele andere Investoren sehen das ähnlich. Zwischen Dezember und Mai haben US-Anleger 48,9 Mrd. Dollar zurückgeholt. Es ist der erste Sechs-Monats-Zeitraum seit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers Holdings Inc. im Jahr 2008, dass sie Gelder nach Hause gebracht haben. Die Kapitalflüsse sind mit die höchsten seit 1999, als Investoren nach dem Kollaps des Hedgefonds Long-Term Capital Management LP nur noch auf die sichersten Vermögenswerte setzten, was den US-Dollar anschob.

Der Dollar-Index von IntercontinentalExchange Inc. ist in diesem Jahr um 3,1 Prozent gestiegen, nachdem Investoren Kapital in Fonds umschichteten, die sich auf US-Bonds konzentrieren. Die Zuflüsse haben sich in den ersten sechs Monaten mehr als verdoppelt auf 157 Mrd. Dollar, verglichen mit 65 Mrd. Dollar im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Die Kapitalflüsse sind auch ein Faktor, warum weltweite Finanzinstitute von der Schweizer UBS AG bis zur japanischen Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ Ltd. mit einem stärkeren Dollar bis Jahresende rechnen, da die Euroraum-Schuldenkrise sich verschärft und Investoren in die weltweite Reservewährung drängen.

Mit 62,2 Prozent ist der Dollar-Anteil an den weltweiten Devisenreserven mehr als doppelt so hoch wie für den Euro, die zweitstärkste Reservewährung, geht aus Daten des Internationalen Währungsfonds hervor. Der Anteil der weltweiten Dollar-Reserven ist der höchste seit dem dritten Quartal 2010, Mitte 2011 war er auf ein Rekordtief von 60,5 Prozent gefallen. Indes ist der Anteil des Euro so niedrig wie seit dem dritten Quartal 2006 nicht mehr.

Kommentare zu " Massive Dollarzuflüsse: US-Anleger flüchten aus Europa"

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  • Na ja, sollen sie flüchten oder umschichten gehen. Oder gab es da vielleicht eine neue Untersuchung, dass Dollarscheine besser brennen beim Holzofen anzünden als die Euroscheine? Dann würd' ich auch umwechseln gehen :-) Unnochoiner: Münzen sind werthaltiger als Scheine :-)

  • Hallo Herr Popp, noch ein ergaenzender Hinweis auf das Buch von Hans Christoph Binswanger Geld und Magie, Deutung und Kritik der modernen Wirtschaft anhand von Goethes Faust.

  • Klar, nicht nur die Amerikaner ziehen ihr Geld aus Europa ab. Auch die EURO-Schwarzgeldkonten werden wahrscheinlich unter Hochdruck in US-Dollar Schwarzkonten umgewandelt. Dafür ist es notwendig noch möglichst lange am EURO festzuhalten, auch wenn dessen Untergang eigentlich schon durch das Handeln der Politik vorprogrammiert ist.

    Mit lauter Luftnummern der EZB von immer höherem Schuldenaufbau durch den Aufkauf vollkommen ungedeckter Anleihen von kurz vor dem wirtschaftlichen Kollaps stehenden Staaten wie Spanien und Italien und last but not least Frankreich soll der EURO gerettet werden. Das wird nicht funktionieren. Im Gegenteil, am Ende ist selbst ein Europa als Wirtschaftsunion nicht mehr vorstellbar und das alles weil man eine Währungsunion schaffen wollte. Frankreich steht das Wasser auch schon so weit am Hals, daß es bereits alleine vorprescht, um mit einer Finanztransaktionssteuer in Höhe von 0,2% ab dem 1. August 2012 auf alle in Frankreich gelisteten Aktienunternehmen die Portokasse aufzufüllen. Ein Bärendienst an den französischen Aktiengesellschaften, wahrscheinlich mit dem Erfolg, daß französische Aktien bald gemieden werden im Handel.

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