Massive Öl-Förderung
USA bohren sich zur Rohstoffweltmacht

Jahrzehnte waren die energieintensiven USA vom Öl Arabiens abhängig. Doch schon bald dürfte Amerika mehr Rohöl fördern als Saudi-Arabien – und wird dazu angespornt. Denn der Wirtschaftsaufschwung hängt genau davon ab.
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Washington/New YorkAls Barack Obama im Jahr 2008 um die US-Präsidentschaft kämpfte, war Amerikas Abhängigkeit vom ausländischen Öl eines der zentralen Themen. Es herrschte Panik vor den Konsequenzen, wenn es mit der Produktion im eigenen Land steil bergab geht. Sein damaliger Gegner John McCain versprach lauthals eine Politik nach dem Motto „Drill, baby, drill“ (Bohre, Baby, bohre). Der Republikaner wollte alles aus Amerikas Ölquellen herausquetschen, was nur ging. Obama hingegen, der sich den Wählern lieber als Klimaschutz-Präsident vorstellte, ließ von solchen Ankündigungen ab.

Von dieser Zurückhaltung ist längst nichts mehr zu merken. Über den Öl-Boom in den USA gerät Obama regelrecht ins Schwärmen. „Das erste Mal in fast zwei Jahrzehnten produzieren wir hier zu Hause mehr Öl, als wir vom Rest der Welt kaufen“, sagte er jüngst bei seiner Pressekonferenz zum Jahresausklang. Nach den Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) dürften die USA schon 2015 und damit ein Jahr früher als erwartet zum größten Ölproduzenten der Welt aufsteigen - noch vor Russland und Saudi-Arabien.

Fracking ist das Zauberwort. Bei der umstrittenen Methode werden tiefliegende Gesteinsschichten angebohrt und das dort lagernde sogenannte Schiefergas und -öl mit Hilfe von Chemikalien gelöst. Während Umweltschützer die Methode verdammen, weil sie um das Grundwasser fürchten, lieben Industrievertreter das Fracking. Denn mehr Öl bedeutet niedrigere Preise. Ein guter Teil des fragilen US-Wirtschaftsaufschwungs nach der Krise 2008/2009 beruht auf dieser billigen Energie.

Und so lässt Obama immer mehr Ölfelder und Bohrinseln genehmigen. Die staatliche US-Energieinformationsagentur (EIA) schätzt, dass in den USA 2016 jeden Tag 9,5 Millionen Barrel Rohöl gefördert werden - fast doppelt so viel wie 2008. Heute sind es nach einem rasanten Anstieg schon knapp 8 Millionen. Der Boom soll die Preise unter 100 US-Dollar halten, konkret kommt die EIA in ihrer Prognose auf 92 Dollar pro Barrel im Jahr 2017. Bis 2040 steige der Preis dann auf 141 Dollar an - das ist weit entfernt von einer Kostenexplosion.

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