Michael Harms
"Seit Jahren bestimmt die Angst den Preis"

Michael Harms, Leiter Investment Strategie & Research der Privatbank Delbrück Bethmann Maffei in Frankfurt, äußert sich über Gold als Geldanlage. Rational wird der Preis aber schon länger nicht mehr bestimmt.
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Handelsblatt: Herr Harms, Sie betreuen vermögende Kunden. Fragen diese Kunden nach den Meldungen aus Japan, Libyen und zur Euro-Schuldenkrise besonders viel Gold nach?

Michael Harms: Nein, und wir raten auch nicht dazu. Bei einem ausgewogenen Portfolio beträgt die Quote der bei uns unter alternative Investments allokierten Rohstoffe zwei Prozent. Dazu zählen Energierohstoffe und Edelmetalle. Wer mehr Risiko akzeptiert, hat vier Prozent davon im Depot.

Handelsblatt: Warum empfehlen Sie Ihren Kunden nicht, in Gold zu investieren, wo doch im Moment überall dessen Vorteile in unsicheren Zeiten gepriesen werden?

Harms: Wir empfehlen durchaus die Beimischung kleiner Goldquoten im Portfoliokontext. Allerdings wird Gold häufig falsch eingeschätzt. Der aktuelle Preis entstammt nicht fundamentalen Erwägungen, sondern der Angst. Das geht seit drei Jahren so. Erst war es die Angst um das Weltwirtschaftssystem, dann war es die Angst vor den Notenbanken mit ihrer Niedrigzinspolitik, vor den Staaten und ihren Konjunkturprogrammen, die Angst vor Inflation und um die Stabilität des Euro-Systems. Hinzu kommen noch Umweltkatastrophen wie jetzt in Japan und geopolitische Risiken wie im arabischen Raum. Der Goldpreis wird sinken, wenn die Angst abnimmt.

Handelsblatt: Gibt es dafür bereits erste Hinweise?

Harms: Die Angst hält noch an. Aber schon jetzt gibt es Hinweise, dass die Entwicklung des Goldpreises an Dynamik verliert. Angebot und Nachfrage gleichen sich immer mehr aus. Das liegt unter anderem an der Situation in Japan; das Land ist für zehn Prozent des weltweiten Absatzes an Luxusgütern verantwortlich und wird diese Käufe vorerst deutlich zurückfahren. Auch die Schmuckindustrie in Indien, die früher für einen Großteil der Goldnachfrage verantwortlich war, hält sich mit Käufen zurück, denn die Multimillionäre aus den USA, Russland und China haben offenbar ihre Ausgaben für Gold reduziert.

Handelsblatt: Raten Sie Ihren Kunden, angesichts dieser Szenarien, ihre Goldbestände zu verkaufen?

Harms: Nein, sie sollen ihre Bestände halten, weil der Goldpreis im Moment noch weiter steigt. Es empfiehlt sich, mit Stopplimiten zu arbeiten. Sollte der Goldpreis fallen, werden diese Stopps dann zu konkreten Signalen und die Goldbestände ganz oder teilweise verkauft.

Handelsblatt: Wenn Sie heute Goldautomaten sehen, aus denen Kunden Minibarren ziehen können, was fällt Ihnen dazu ein?

Harms: Das ist wirklich ausgesprochen unsinnig.

Kommentare zu " Michael Harms: "Seit Jahren bestimmt die Angst den Preis""

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  • Argumente der Fiatgeld-Gurus haben wir genug gehört:

    "Die Sparer kaufen Gold, weil sie Angst haben, dass ihr Geld entwertet wird. Schuld daran sind die Banken, die mit ihren waghalsigen Deals die Krise erst ausgelöst haben. Schuld daran sind die Notenbanken, die unendlich viel billiges Geld auf den Markt geworfen haben, um die Finanzmärkte zu stützen. Schuld daran sind die Regierungen, die Schuldenberge auftürmen, um teure Konjunkturpakete zu bezahlen."

    Diese Argumente sind alle richtig und nachvollziehbar. Aber es ist völlig rational von den Sparern in diesem Umfeld Gold zu kaufen. Die Banken machen nach wie vor waghalsige Deals, die Notenbanken pumpen weiterhin unendlich viel Geld in den Markt und die Regierungen finanzieren mit neuen Schulden nicht nur Konjunkturpakete, sondern auch die Anleihen bankrotter Staaten. Es hat also nichts mit einer unbegründeten Angst zu tun, in das Anlagemedium Gold auszuweichen.


    Handelsblatt: Wenn Sie heute Goldautomaten sehen, aus denen Kunden Minibarren ziehen können, was fällt Ihnen dazu ein?
    Harms: Das ist wirklich ausgesprochen unsinnig.

    Das einzige unsinnige ist die Menschen vom Goldkauf abhalten zu wollen. Solange die FUDAMENTALDATEN für Gold sprechen, wird Gold weiter steigen, mal mehr mal weniger.
    Michael Harms ist entweder blind auf beiden Augen oder er hat unehrliche Motive, wenn er sagt dass der heutige Goldpreis nicht fundamentalen Erwägungen entspricht.

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