MinenaktienGoldgräber in Not

Gold ist was Sicheres. Für die Aktien der Goldförderer gilt das allerdings ganz und gar nicht. Mit den Kursen geht es seit langem abwärts, und zwar aus guten Gründen. Jetzt prophezeien Experten die Wende – mal wieder.
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Gold gilt als Allheilmittel gegen jede Krise: vom ganz normalen Wahnsinn an den Märkten über den Verfall der Papierwährungen bis hin zum Weltuntergang. Die Anleger, die auf das Edelmetall schwören, wollen vor allem eines: Sicherheit. Umso enttäuschter dürften diejenigen sein, die auf Goldaktien gesetzt haben.

Seit mehr als einem Jahr geht es fast ununterbrochen abwärts. Als der Goldpreis im Sommer 2011 auf ein Allzeithoch stieg, zogen die Aktien kaum mit. Als der Goldpreis anschließend wieder fiel, fielen die Aktien noch stärker. Die Aktien der großen Goldförderer wie Barrick Gold, Newmont oder Goldcorp Gold haben seither mehr als ein Drittel an Wert verloren. Noch schlimmer erwischte es die kleineren Firmen sowie Explorationsunternehmen.

Aus heiterem Himmel kommt der Ausverkauf nicht. Die Frage ist nur: Wann sind die Kurse so tief gefallen, dass es nicht mehr tiefer geht. Experten prophezeien schon seit langem eine Wende – die immer noch auf sich warten lässt. Auch diesmal deutet wieder einiges darauf hin, dass das Schlimmste überstanden ist. Aber das ist eine heiße Wette.

Ein prominenter Investor hat sich an Goldaktien die Finger verbrannt. John Paulson, einst Star der Hedge-Fonds-Branche, machte das zweite Jahr in Folge hohe Verluste, unter anderem weil seine Gold-Investments schlecht liefen.

Privatanlegern, die auf Goldaktienfonds gesetzt haben, erging es nicht besser. Der BGF World Gold von Blackrock sowie der Investec Global Gold haben in den vergangenen zwölf Monaten knapp 30 Prozent verloren, der Craton Capital Precious Metal sogar rund 45 Prozent. Zum Vergleich: Der Dax hat im selben Zeitraum um zwölf Prozent zugelegt.

In der Fondsbranche gibt man sich gelassen. „Bei uns hat sich noch kein Anleger beschwert“, sagt Martin Siegel, Fondsmanager des Stabilitas Gold und Ressourcen. Sein Fonds hat auf Jahressicht mehr als 30 Prozent verloren, auf Sicht von fünf Jahren sind die Verluste sogar deutlich höher.

Die meisten Anleger hätten schon vor langer Zeit in seinem Fonds investiert. Sie seien Schwankungen gewöhnt, erklärt Siegel. Immerhin hatte der Fonds in der Vergangenheit auch schon Phasen, in denen er innerhalb von zwei Jahren um 200 Prozent zugelegt habe. Siegel räumt allerdings ein, dass es diesmal „die bisher längste Durststrecke“ sei. „Langsam ist es mal genug“, sagt der Fondsmanager.

Das Verwunderliche daran: In jedem der vergangenen zehn Jahre legte der Goldpreis zu – von rund 400 Dollar auf aktuell rund 1600 Dollar je Feinunze. Im Sommer 2011 kostete eine Feinunze zeitweise sogar 1912 Dollar. Eigentlich eine erfreuliche Entwicklung für die Goldförderer. Sie können ihr Produkt heute vier Mal so teuer verkaufen wie vor zehn Jahren.

Kommentare zu " Minenaktien: Goldgräber in Not"

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  • Das Problem bei Goldaktien ist, dass diese Firmen massive Investitionsaufkommen haben, um eine Bonanza auszubeuten. Der Prozess verseucht entweder die Flüsse mit Quecksilber oder ist entsprechend teuer, wenn er das mal nicht tut. Gleichzeitig ist der Goldanteil im Sand/Gestein minimalst und bedingt hohen Materialdurchsatz.

    Ergo sumarum est: Der Verkaufspreis des Goldes geht meist für die internen Kosten oder Reparationen drauf.

    Tip: Finger weg!

  • Die wichtigste Erkenntnis des Artikels: Die Sache selber ist sicherer, als deren Hersteller: Man stelle sich eine Währunsgreform vor, bei der 90 oder mehr Prozent aller Guthaben (und die öffentlichen Schulden) aufgelöst werden - einen umfassenden Default: Danach wird es wohl nur wenige kaufkräftige Interessenten für Minenaktien geben...

  • An die Vorkommentatoren: bezüglich eines Einstiegs in Gold-Minen, bzw. sogar in Gold selbst (außer man hat noch keins)
    habe ich keine Eile. Zwar sind die Kurse nach den meisten historichen Kriterien tatsächlich ausgebombt, aber es lauert meiner Meinung nach die Gefahr der Wiederholung eines deflationären Crashs wie 2008. Da kann es sogar noch wesentlich tiefer gehen, jedenfalls bei den Minenaktien. Das derzeit schlechte Sentiment ist zwar generell ein Konträrindikator ABER die wirklichen Crashs/Paniken passieren aus technisch "überverkauften" Situationen, wenn plötzlich selbst die hartnäckigsten Longs schmerzheulend aufgeben.

    Das muß natürlich nicht so kommen, es ist genauso wahrscheinlich, daß es bald wieder steigt, aber es kann so kommen. Daher warte ich lieber ab bzw. schaue mir jetzt in Ruhe potentielle Kandidaten an, und reagiere erst, wen die Trendwende erkennbar ist. Man muß nicht exakt auf dem Tiefpunkt kaufen.
    Vorsicht aber, denn wenn es ansteigen sollte, dann kann dies aufgrund des ausgebombten Zustands sehr schnell erfolgen.

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