Minengesellschaften im Wilden Westen
Gut geplanter Goldrausch

Auf der Suche nach Gold kehren die Minengesellschaften in den historischen Wilden Westen zurück. Die Fortschritte in der Fördertechnik und Preise von über 800 Dollar je Feinunze machen es möglich. Doch der Versuch, längst stillgelegte Minen wiederzueröffnen, trifft auf einzigartige Herausforderungen.

SACRAMENTO. Vor fast 160 Jahren stoßen Bergleute in Grass Valley auf Gold, nicht weit von der Stelle entfernt, an der kurze Zeit vorher der kalifornische Goldrausch begonnen hat. In den Bergwerksorten, die sich an die Ausläufer der Sierra Nevada schmiegen, folgen Boom- und Pleitephasen – bis die Goldpreise nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich auf Tiefststände fallen. Eine Goldmine nach der anderen wird dichtgemacht. Zurück bleiben Meilen von Schächten und Tunnelsystemen – und nicht entdecktes Gold.

Nun kommen die Minengesellschaften auf der Suche nach dem Edelmetall in den historischen Wilden Westen zurück. Die Fortschritte in der Fördertechnik und Goldpreise von über 800 Dollar je Feinunze (31,10 Gramm) machen es möglich. Auf das stillgelegte Bergwerk „Idaho-Maryland“ in Grass Valley, immerhin einst die zweitergiebigste Goldmine in Kalifornien, hat nun die kanadische Gesellschaft Emgold Mining ein Auge geworfen. Allerdings bringt das auch den Stadtrat in der malerischen 12 500-Einwohner-Gemeinde vor eine schwere Entscheidung: Wie stark soll sich der Ort von seiner Vergangenheit einholen lassen?

Der Versuch von Emgold, die Idaho-Maryland-Mine wiederzueröffnen, trifft auf einzigartige Herausforderungen. Denn es wäre die erste industrielle Goldmine mitten in einer modernen kalifornischen Stadt. An Grass Valley sind die letzten 50 Jahre, seit die Mine dichtgemacht wurde, nicht spurlos vorbeigegangen. Die Bevölkerung des Gebiets hat sich seit 1950 mehr als verdreifacht. Das bedeutet, dass rund 70 Meilen aufgegebener Schächte unter Industriegebieten, Bürogebäuden und Wohnhäusern liegen. Das örtliche Krankenhaus und der vierspurige Highway 49 befinden sich in Sichtweite der Mine, die anderthalb Meilen vom Ortszentrum entfernt ist. Kurzum: Die Schwerindustrie ist der kalifornischen Öffentlichkeit nicht leicht zu verkaufen, zumal der Bundesstaat sehr strenge Umweltgesetze hat.

„Es ist eine gewaltige Herausforderung“, sagt Bürgermeister Mark Johnson. Der 47-Jährige leitet ein Blumengeschäft, das seine Familie seit 42 Jahren betreibt. „Die Industrie hat zwar zur Gründung dieser tollen Gemeinde geführt, aber es sind halt mittlerweile sehr viele Menschen nach Grass Valley gekommen.“ Andere Einwohner befürchten, dass der Minenbetrieb die hohe Lebensqualität und die landschaftliche Schönheit beeinträchtigt. Diese Faktoren haben viele Berufstätige sowie Rentner angezogen. „Wir haben bereits eine Goldmine hier, und das ist die Schönheit dieser Gemeinde“, sagt der 57-jährige Software-Ingenieur Ralph Silberstein.

Nach Schließung der Mine hatte Grass Valley auf die Forstwirtschaft gesetzt. Als auch dieser Wirtschaftszweig niedergeht, bringt der High-Tech-Sektor die Wende. Schon 1958 wird die Filmtechnikfirma The Grass Valley Group gegründet und macht den Ort zu einer Art Silicon Valley für Rundfunk- und Videotechnik. Zudem haben die Stadtväter geschickt das Bild der Wildwest-Stadt gepflegt: Alte Ziegelsteinhäuser mit eisernen Fensterläden säumen die Hauptstraße und versetzen die vielen Touristen in die Zeit um 1860. Der stete Besucherstrom hat zudem zu einer blühenden Weinindustrie geführt.

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