Mögliche Iran-Sanktionen Öl kostet so viel wie seit dreieinhalb Jahren nicht

Ein möglicher Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran treibt den Ölpreis weiter in die Höhe. Er stieg am Montag um 1,4 Prozent.
Update: 07.05.2018 - 10:49 Uhr 2 Kommentare

„Die USA begeht einen Fehler, wenn es das Atomabkommen verlässt“

„Die USA begeht einen Fehler, wenn es das Atomabkommen verlässt“

Frankfurt/SingapurAnleger haben Angst vor einem Angebotsengpass auf dem Ölmarkt. Zum einen kam es zu Förderausfällen im von einer Wirtschaftskrise geschwächten Venezuela. Zum anderen droht weiterhin ein Ausstieg der USA aus dem Atom-Abkommen mit dem Iran. In dem Abkommen hat sich der Iran – das Schwergewicht der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) – verpflichtet, auf Atomwaffen zu verzichten und die Überprüfung seiner Atomanlagen zu gestatten.

US-Präsident Donald Trump will in den kommenden Tagen entscheiden, ob er das Abkommen aufkündigt. Wenn er das tut, drohen dem Iran Sanktionen. Und das könnte Auswirkungen auf den Preis des dort geförderten Öls haben.

Um sich abzusichern, deckten sich Anleger am Montagmorgen kräftig mit Erdöl ein. Der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee stieg um zeitweise 1,4 Prozent. Er lag mit 75,89 Dollar je Barrel so hoch wie zuletzt vor dreieinhalb Jahren.

Am Sonntag hatte der iranische Präsident Hassan Ruhani die USA vor einem Ausstieg aus dem Atomabkommen gewarnt. Dies wäre ein historischer Fehler, den Washington bereuen würde, erklärte er. Ob und wie genau mögliche Sanktionen gegen den Iran den Ölpreis beeinflussen würden, ist aber umstritten. Viel hängt davon ab, wie wirksam mögliche neue Iran-Sanktionen wären, notieren die Rohstoffanalysten der Commerzbank: „Entscheidend wird, ob auch andere Länder dazu gezwungen werden, diese Sanktionen umzusetzen. Erst dann hätte dies Auswirkungen auf das Ölangebot aus dem Iran“, heißt es in einer Studie.

Der Iran fördert mit 3,8 Millionen Barrel Öl pro Tag wieder so viel wie vor den Sanktionen des Westens. Iran hatte davon zuletzt nach eigenen Angaben die Rekordmenge von 2,6 Millionen Fass pro Tag exportiert. Die größten Abnehmer sind China und Indien.

Trotz dieser großen Fördermenge dürften neue Sanktionen nur geringe Auswirkungen auf den Ölpreis haben, glaubt Anges Horvath, Chefökonomin des ungarischen Energiekonzerns Mol. Der Markt werde realisieren, dass die Sanktionen „mehr Rauch als Feuer“ sein würden. Schließlich würden China und Indien Sanktionen ablehnen, selbst die EU zögere.

Auch der Ölmarktexperte Robin Mills, Gründer der Analysefirma Qamar Energy in Dubai, rechnet nicht mit einem weiteren sprunghaften Anstieg des Ölpreises: „Jeder erwartet von Donald Trump, dass er den Iran-Deal aufkündigen wird. Der Effekt ist also schon eingepreist“, sagte Mills dem Handelsblatt.

Der Ölpreis steigt schon seit einigen Monaten. Bereits in der vergangenen Woche hatten sich die Ölpreise auf einem vergleichsweise hohen Niveau gehalten. Seit Beginn des Jahres hat sich Rohöl deutlich verteuert. Und das nicht nur wegen der Drohungen Trumps – sondern hauptsächlich wegen des gut funktionierendem Kartells der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec).

Mittelfristig habe der Ölpreis sowieso nur noch wenig Luft nach oben, sagte Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. „Denn die Brent-Ölnachfrage wächst Schätzungen zufolge ab einem Preis von 60 US-Dollar weniger als die Weltwirtschaft.“ Verbraucher wichen auf andere Energieträger aus oder investierten stärker in Energiespar-Technologien.

Hier geht es zur Seite mit dem Brent-Preis, hier zum WTI-Kurs.

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2 Kommentare zu "Mögliche Iran-Sanktionen: Öl kostet so viel wie seit dreieinhalb Jahren nicht"

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  • Unabhängig von der Iran-Frage muss der Preis für Rohöl in den nächsten Jahren weiter steigen, weil wir insbesondere im Verkehr nicht schnell genug vom Öl wegkommen und der weltweite Bedarf immer noch stark wächst. Eine schlaue Politik (wie z.B. in China, Norwegen oder Californien) würde jetzt die richtigen Investitionsanreize setzen, damit die Menschen in E-Mobilität investieren. Stattdessen verschläft das die deutsche Politik und lässt es zu dass die Deutschen sich jetzt noch massenweise benzinfressende SUVs kaufen. Das wird sich in naher Zukunft rächen, wenn die Benzinpreise wieder stark steigen…

  • Das Schlimme an Trumps Außenpolitik ist, sie funktioniert. Siehe Weltuntergang via Nordkorea offensichtlich verschoben.

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