Mögliche Manipulation: Goldpreis unter Verdacht

Mögliche ManipulationGoldpreis unter Verdacht

Die USA gehen einer möglichen Schwindelei am Goldmarkt nach. Haben Großbanken den Goldpreis manipuliert? Nach dem Betrug beim Libor-Zinssatz wäre es ein weiterer Skandal für die Bankenbranche.
  • 22

Düsseldorf, LondonJeden Tag das gleiche Ritual, seit fast hundert Jahren. Fünf Banken setzen in London den Goldpreis fest, einmal morgens um 11.30 Uhr und einmal nachmittags um 16 Uhr deutscher Zeit. Es ist ein verschwiegener Kreis – mit großem Einfluss. Für den Weltmarkt spielen die Vorgaben aus London eine wichtige Rolle. Auch viele Finanzprodukte sind daran gekoppelt.

Gerüchte, dass es beim sogenannten „Gold Fixing“ nicht mit rechten Dingen zugehen soll, halten sich hartnäckig. Jetzt nimmt sich die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) in den USA der Sache an. In internen Diskussionen werde geprüft, ob es Möglichkeiten der Manipulation gebe, berichtete das „Wall Street Journal“ am Mittwoch unter Berufung auf Insider.

Die für den Derivatemarkt zuständige Aufsichtsbehörde CFTC habe noch keine formelle Untersuchung gestartet. Sie nehme aber verschiedene Aspekte der Preisfindung unter die Lupe und gehe unter anderem der Frage nach, ob ausreichende Transparenz gewährleistet sei.

Die Überprüfung ist Folge von Skandalen, in die Banken in jüngster Zeit verwickelt waren. So sollen mehrere Großbanken den Libor (London Interbank Offered Rate) in der Finanzkrise zu ihren Gunsten gedrückt haben, um Handelsgewinne einzustreichen. Der Libor zeigt an, zu welchen Sätzen sich Banken untereinander Geld leihen.

Er fußt bislang auf freiwilligen Angaben der Institute und ist daher kaum nachzuprüfen, obwohl er die Grundlage für Finanztransaktionen rund um den Globus ist. Auch gegen die Deutsche Bank und US-Institute wird ermittelt. Bislang wurden die Schweizer UBS und die beiden britischen Geldhäuser Barclays und Royal Bank of Scotland zu hohen Geldbußen verdonnert.

Auf dem viel kleineren Markt für Edelmetalle sind die Banken ebenfalls unter sich. Gold wird an keiner öffentlichen Börse gehandelt, sondern nur „over the counter“, also nach individuell ausgehandelten Konditionen.

Seit dem 12. September 1919 ist dafür das „Gold Fixing“ in London das Maß der Dinge. Früher trafen sich die Goldhändler im Bankhaus Rothschild, in einem holzgetäfelten Raum unter alten Ölbildern. Jedes Mal, wenn einer in der Runde einen neuen Preis aufrufen wollte, rief er „flag“ und stellte die britische Flagge auf – solange bis Angebot und Nachfrage ausgeglichen waren.

Dieses Fixing gibt es noch immer, die Regeln haben sich nicht geändert, nur die Fähnchen gibt es nicht mehr. Im Jahr 2004 zog sich Rothschild zurück. Heute läuft die Verhandlung über eine Telefonkonferenz, bei der die Deutsche Bank, Barclays, die Bank of Nova Scotia aus Kanada, die Société Générale und HSBC teilnehmen. Die Silberpreise legen Bank of Nova Scotia, Deutsche Bank und HSBC fest. In der Regel dauert das Verfahren etwa zehn Minuten.

Kommentare zu " Mögliche Manipulation: Goldpreis unter Verdacht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 7:30 bis 21 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • SIe sollten aufhören Drogen zu nehmen!

  • Man sehe sich nur mal einige Tage lang die Intraday-Charts von Gold an, dann weiß man, dass die Goldpreise zum Fixing hin manipuliert werden.
    Man sehe sich die Gold-Lease-Rates an, dann weiß man, dass die Goldpreise langfristig manipuliert werden.
    Man beachte, dass der Handel in physischem Metall durch den Handel von Papiergold um etwa das 80-fache übertroffen wird - alles unerfüllbare Lieferansprüche, - dann weiß man, dass die Goldpreise langfristig manipuliert werden.

  • Gold ist super gelaufen.Kommt z.B. von runden 260$ im März 2000 -jetzt um die 1600$.Selbst wenn man bedenkt,das man jetzt noch 30% abziehen muss(Wechselkursverlus Dollar/Euro) ,ergibt das im Vergleich zum DAX eine gute Rendite.

Serviceangebote