Nach Entkopplung des Franken
Schweiz entgeht knapp dem Schiffbruch

Viele Schweizer Unternehmen hatten befürchtet, dass mit der Aufwertung des Franken die Exporte einbrechen würden. Offenbar ist die große Schrumpfkur vorerst ausgeblieben. Doch der Blick in die Zukunft bringt wenig Gutes.
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Die Schweiz ist wohl nochmal davongekommen und einer wirtschaftlichen Schrumpfung im ersten Quartal entgangen. Damit hätte sie zumindest zeitweilig noch der rekordträchtigen Franken-Aufwertung, die den Konjunkturausblick getrübt hat, die Stirn geboten.

Das Bruttoinlandsprodukt stagnierte wahrscheinlich in den drei Monaten bis März, nachdem die Schweizerische Nationalbank ihren Franken-Deckel aufgegeben hatte. Das ergab der Median aus einer Umfrage von Bloomberg unter 16 Ökonomen. Damit würden zwar drei Jahre mit Quartalszuwächsen ihr Ende finden, doch die befürchtete Schrumpfung bliebe aus. Die offiziellen Zahlen werden am Freitag dieser Woche bekannt gegeben.

Die verdüsterten Aussichten sind der Preis, den das Land für den Schlag durch den Wechsel in der Franken-Politik im Januar zahlt. Die Verbraucher profitieren nun zwar von günstigeren Importen, die stärkere Währung belastet aber die Exporteure. Der Schock zwang die Zentralbank dazu, ihre Wachstumsprognosen zu senken.

„Das BIP-Wachstum wird im ersten Quartal wahrscheinlich gar nicht so schlecht ausfallen - der Konsum sollte wieder die Triebkraft sein“, erwartet Ökonom Maxime Botteron von der Credit Suisse Group in Zürich. Da allerdings die Arbeitslosigkeit wohl zunehmen dürfte, aufgrund der Bremseffekte des Wechselkurses auf die Industrie, „sollte dieses Jahr ziemlich schwach sein - das Basisszenario ist eine Stagnation, keine Rezession“, fügt er hinzu.

SNB-Präsident Thomas Jordan rechnet damit, dass die Wirtschaft in diesem Jahr knapp unter 1,0 Prozent wachsen wird. Das ist nur etwa halb so stark wie vor der Aufgabe des Euro- Mindestkurses von 1,20 Franken erwartet worden war. Der Franken hat im ersten Jahresviertel um 15 Prozent gegenüber dem Euro zugelegt, was der stärkste Ausschlag seit Einführung der Gemeinschaftswährung im Jahr 1999 war.

Eine Rezession - zwei Quartale mit BIP-Rückgängen in Folge -ist SNB-Währungshütern zufolge unwahrscheinlich. Vize-Präsident Jean-Pierre Danthine hatte letzte Woche gesagt, es werde wahrscheinlich nur ein schlechtes, negatives Quartal geben.

Dennoch: in einer separaten Umfrage vor den Aussagen von Danthine hatten Volkswirte eine Rezession für die Schweiz vorhergesagt, wobei die drei Monate bis Juni am stärksten unter der Franken-Aufwertung leiden dürften und das BIP erst wieder im Schlussquartal 2015 expandieren würde.

„Wir hatten einen Wechselkurs-Schock, purzelnde Preise, Unternehmen, die mit Stellenstreichungen reagieren“, sagt Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin in Zürich. „Das bedeutet, dass die Produktion fällt, und für mich ist das ein Anzeichen dafür, dass die Schweizer Wirtschaft leiden wird - es ist natürlich, dass es in solch einem Kontext kein Wachstum geben kann.“

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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