Nach EU-Gipfel
Euro fällt zurück

Kommt er oder kommt er nicht, der Hilfsantrag Spaniens? Die Unsicherheit über die nächsten Schritte der spanischen Regierung sorgte am Freitag für Frust unter den Euro -Anlegern.
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FrankfurtDie Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,3035 Dollar zurück nach 1,3065 Dollar im New Yorker Vortagesgeschäft. Am Mittwoch hatten Spekulationen auf baldige Hilfen für das hoch verschuldete Land den Euro noch auf 1,3140 Dollar getrieben - den höchsten Stand seit einem Monat. Die Investoren warteten noch immer auf entscheidende Fortschritte in Sachen Spanien, sagte ein Händler.
Enttäuscht zeigten sich die Anleger vor allem von dem zweitägigen EU-Gipfel in Brüssel. Laut Ministerpräsident Mariano Rajoy hat das Sorgenkind noch nicht über einen Antrag auf Hilfen der Euro-Staaten entschieden. Bislang hat Spanien nur eine milliardenschwere Unterstützung für seinen maroden Bankensektor beantragt.
Fortschritte vermeldeten die Staats- und Regierungschefs dagegen in ihren Verhandlungen über die Einführung einer gemeinsamen Bankenaufsicht: Die neue Behörde soll unter dem Dach der Europäischen Zentralbank im Laufe des kommenden Jahres ihre Arbeit aufnehmen. Damit wird der Weg frei, Krisenstaaten stärker zu entlasten und angeschlagene Geldinstitute direkt mit europäischen Rettungsgeldern zu stützen. "Die superschnelle Lösung, die der französischen Regierung vorschwebte, wurde damit verworfen. Andererseits wurde mit der Festlegung eines - wenn auch immer noch recht vagen - Zeitplanes die Unbestimmtheit des deutschen Vorschlages vermieden", urteilte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann.
Durch den Rentenmarkt wehte ein Hauch der Erleichterung. Die Renditen der zehnjährigen italienischen Papiere ging auf 4,712 Prozent zurück, den niedrigsten Stand seit siebeneinhalb Monaten. Auch ihre spanischen Pendants warfen mit 5,297 so wenig ab wie seit sechseinhalb Monaten nicht mehr. Händler machten dafür die äußerst erfolgreiche Auktion inflationsgebundener italienischer Papiere vom Donnerstag verantwortlich. Das Land hatte ein Rekordvolumen von 18 Milliarden Euro eingenommen und erklärte, für den Rest des Jahres nun weniger Geld aufnehmen zu müssen, als bislang veranschlagt. Die Auktion hatte sich vor allem an Privatanleger gerichtet.

"Das ist sicherlich eine gute Nachricht," sagte Patrick Jacq, Zinsstratege bei BNP Paribas. Allerdings zweifelte er daran, dass sich die Stimmung am Rentenmarkt für Italien damit langfristig aufhellen dürfte.
Am frühen Nachmittag notierten die Zinsen der italienischen Anleihen mit 4,780 Prozent bereits wieder auf dem Vortagesniveau. Die spanischen zogen auf 5,367 Prozent an.
Die Rendite der gern als sicherer Hafen angesteuerten Bundesanleihen fiel auf 1,588 Prozent nach 1,632 Prozent im Vortagesgeschäft.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Bedingt durch den permanenten deutschen Leistungsbilanzüberschuss, ist der Euro für die meisten andere Euro-Länder weit überbewertet und erschwert diesen Ländern Exporte und bremst deren Importe nicht genug ab. Folge: Wirtschaftlicher Niedergang, Leistungsbilanzdefizit. Der führt dann zu geringeren Staatseinnahmen, die wiederum zu einer höheren Verschuldung, die wiederum zu höheren Zinsen für das Land und seine Wirtschaft.
    Eine Leistungsbilanzdefizitbremse innerhalb der Währungsunion ist unverzichtbar solange die Währungsunion nicht über Teil der Steuerhoheit der einzelnen Euroländer verfügen kann. Genauso wie die Schuldenbremse, von Deutschland durchgesetzt, sollte innerhalb der Eurozone unbedingt eine Leistungsbilanzdefizitbremse eingeführt werden, da die einzelne Euroländer nicht mehr abwerten können um wieder wettbewerbsfähig zu werden.
    Die Sparpolitik von Deutschland erzwungen, die schon einem Sozial- und Lohndumping gleich kommt, funktioniert nicht, wie man im Falle verschiedene Peripherieländer sehen konnte.
    Um dies zu erreichen muss die Produktion für den eigenen Bedarf, in diese Länder verlegt werden um den Import und folglich den Leistungsbilanzdefizit zu verringern.

  • Das Ende einer aktiven Wirtschaftspolitik

    http://lostineu.eu/das-ende-aktiver-wirtschaftspolitik/

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