Nach Fed-Entscheidung
Euro steigt und steigt

Mit ihrem 600-Milliarden-Paket zum Aufkauf von Staatsanleihen hat die US-Notenbank den Dollar wie erwartet weiter geschwächt. Die US-Aussicht auf Niedrigstzinsen für eine lange Zeit, lockt Carry-Trader an, die den Dollar verkaufen. Das drückt die US-Währung in die Nähe ihrer Tiefstände. Der Euro fällt am Morgen allerdings zurück, weil auch die Euro-Zone ihre Probleme hat.
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HB DÜSSELDORF. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet will die europäische Notenbank aus dem Streit um die weltwirtschaftlichen Folgen der US-Geldpolitik heraushalten. „Ich habe keine Anzeichen dafür, dass der Chef der Federal Reserve oder der Finanzminister - oder sogar der Präsident der USA - das Spiel des schwachen Dollar spielen“, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Anschluss an die reguläre Zinssitzung des EZB-Rats in Frankfurt. Den Leitzins beließen die Währungshüter erwartungsgemäß bei einem Prozent.

Der Euro erklimmt neue Höchststände. Mit 1,4281 Dollar notierte die Gemeinschaftswährung auf einem Tageshoch. Dem Jahreshoch von 1,4582 Dollar, das sie am 13. Januar vor Ausbruch der Schuldenkrise in der Euro-Zone aufgestellt hatte, näherte sie der Euro weiter an. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,4238 US-Dollar.

Händler erklärten den Anstieg vor allem mit der geplanten Fed-Geldschwemme, die den Dollar unattraktiver machte. Aussagen von Trichet, wonach die Risiken für den Inflationsausblick leicht nach oben gerichtet seien, stützten den Euro aber zusätzlich. Trichet betonte, dass die Teuerungsraten 2011 voraussichtlich moderat blieben. Der Notenbankchef wollte die Fed-Entscheidung nicht kommentieren. Die EZB habe ihr Mandat und bleibe diesem treu, erklärte Trichet. Ein starker Dollar liege weiter im US-Interesse, fügte er hinzu. Zudem vertraue er darauf, dass die USA nicht mit einem schwachen Dollar spielten.

Die Entscheidung der US-Notenbank gestern, bis Mitte nächsten Jahres Staatsanleihen im Volumen von 600 Milliarden Dollar aufzukaufen, wurde am Markt als Signal gewertet, dass auch die kurzfristigen Zinsen, aber auch die Finanzierungskosten in den USA noch eine Weile niedrig bleiben werden. Das macht nicht nur US-Anlagen relativ unattraktiv. Es erhöht auch die Attraktivität des Dollars als Basiswährung für Carry-Trades: Anleger verschulden sich hierbei zu günstigen Konditionen in Dollar und legen das Geld in Wertpapieren aus anderen Währungsräumen mit deutlich höherem Zinsniveau an.

Insofern dürfte der Druck auf den Dollar erst einmal anhalten - insbesondere im Vergleich zu Hochzinswährungen. Gegenüber dem australischen Dollar hielt sich die US-Währung am Morgen in der Nähe eines 28-Jahres-Tiefs. Die australische Notenbank hatte zu Wochenbeginn ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 4,75 Prozent angehoben. Zum Vergleich: In USA hält die Fed den Leitzins in einer Spanne von 0 bis 0,25 Prozent.

Am Nachmittag dürfte es spannend werden. Neu entfachte Sorgen über die europäischen Krisenstaaten mit hoher Verschuldung könnten den Handel belasten. In den vergangenen Tagen waren die Risikoaufschläge für Anleihen aus Griechenland, Portugal und vor allem Irland wieder deutlich angestiegen. Heute warten Anleger gespannt auf die Erklärung von Irlands Finanzminister Brian Lenihan zum Sparpaket und Steuererhöhungen, mit denen das Land die Haushaltskrise bewältigen will. Die Kosten für Versicherungen gegen einen Zahlungsausfall Irlands stiegen im Vorfeld auf ein Rekordhoch.

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