Nach G20-Treffen
Dollar fällt ins nächste Loch

Das Treffen der 20 führenden Industriestaaten am Wochenende hat für die Finanzmärkte keine entscheidenden Impulse gebracht. Eine Lockerung der US-Geldpolitik halten Investoren weiter für hochwahrscheinlich. Bis zu 1,5 Billionen Dollar könnte die Fed Schätzungen zufolge dafür in die Hand nehmen. Den Dollar wirft das weiter zurück. Zum Yen droht er unter die Marke von 80 Yen je Dollar zu fallen.
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HB DÜSSELDORF. Anleger haben dem Dollar nach dem G20-Gipfel weiter die kalte Schulter gezeigt. Die US-Währung rutschte zum japanischen Yen auf ein 15-Jahres-Tief von 80,42 Yen, während der Euro zeitweilig die Marke von 1,41 Dollar wieder ins Visier nahm. "Es sieht so aus, als interpretierten die Märkte die Entscheidung der G20 als grünes Licht dafür, so weiterzumachen wie bisher: Das heißt, den Dollar weiter zu schwächen", erklärte Sue Trinh, Währungsstrategin bei RBC in Hongkong.

Die Finanzminister der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer hatten sich am Wochenende unter anderem darauf verständigt, einen Wettlauf der Währungsabwertung zu verhindern und auf eine Harmonisierung des Welthandels hinzuarbeiten. Zugleich heißt es in der Schlusserklärung der Minister, dass Länder mit Reservewährungen darauf achten sollten, dass die Wechselkursschwankungen nicht zu hoch und spontan seien. Analysten sahen dies als Mahnung vor allem für die USA. Neben dem Dollar gelten auch Euro und Yen als Reservewährungen.

"Das G20-Treffen war sicher in einem größeren Umfang hilfreich, und es hat viel guten Willen gezeigt, aber es ist auch kein wirklich großer Schritt nach vorn", schrieben die Analysten von Goldman Sachs, die zudem unverändert mit einer weiteren Lockerung der US-Geldpolitik rechnen. Ihrer Einschätzung nach wird die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in der nächsten Woche den weiteren Ankauf von Wertpapieren bekanntgeben.

Damit würde die Fed erneut die Notenpresse anwerfen. Von Reuters in diesem Monat befragte Analysten rechnen mit einem Volumen von 500 Milliarden bis 1,5 Billionen Dollar. Andere Analysten kritisierten, dass die US-Notenbank mit diesen Maßnahmen auch Währungspolitik betreibe. "Indirekt ist eine weitere Ausweitung der Geldmenge nämlich auch als Währungsmanipulation zu sehen, gerade wenn ein Präsident auf Sicht der nächsten Jahre eine Verdopplung der Exporte anpeilt", erklärten die Analysten der Metzler Bank.

Am Nachmittag erholte sich der Dollar in Reaktion auf eine Aufhellung am krisengeplagten US-Immobilienmarkt etwas. Aufs Jahr hochgerechnet wechselten 4,53 Millionen Häuser den Besitzer, das sind zehn Prozent mehr als im August. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit 4,30 Millionen Häusern gerechnet. "Wir sind nun auf dem Weg der schrittweisen Erholung", sagte Zach Pandl, US-Volkswirt bei Nomura Securities. Der Euro kostete um 1,40 Dollar und damit noch rund einen halben US-Cent mehr als im späten Freitagsgeschäft.

Damit konnte er aber den als wichtige charttechnische Marke geltenden Kurs von 1,4050 Dollar nicht halten. Kaum Widerhall an den Finanzmärkten fand eine mit Spannung erwartete Rede von Fed-Chef Ben Bernanke. "Bernanke hat sich vor allem zum US-Hypothekenmarkt geäußert. Das ist nicht das entscheidende Thema", sagte ein weiterer Händler. "Alle wollen wissen, wie hoch das Volumen weiterer Wertpapierankäufe der Fed ausfallen könnte."

Am Rentenmarkt notierte der Bund-Future 27 Ticks höher bei 129,92 Punkten. "Das ist bei geringen Volumina eine Gegenreaktion zu den jüngsten Verlusten", sagte ein Rentenhändler. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf 2,442 Prozent.

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