Nach Kurssturz
Rohstoffpreise proben die Erholung

Die vergangene Woche war die schwärzeste Woche für Rohstoffe seit langem. Zeitweise stürzten die Preise um mehr als zehn Prozent ab. In der neuen Woche geht es erstmal aufwärts. Doch die Erholung steht auf wackeligen Füßen.
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DüsseldorfDer Preissturz an den Rohstoffmärkten hat sich zu Wochenbeginn zunächst nicht fortgesetzt. Gold und Öl notierten am Vormittag deutlich höher und auch der Silberpreis erholt sich leicht von seinen Verlusten.

Die Feiunze Gold kostete knapp 1.510 Dollar, der Silberpreis erholte sich auf 36,70 Dollar. Öl der Nordseesorte Brent wurde mit 112,54 Dollar sogar gut drei Dollar teurer gehandelt als zum Wochenschluss. Ein Barrel der US-Referenzsorte West
Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich auf 99,60 Dollar. Händler erklärten, große Firmen würden die gesunkenen Preise jetzt nutzen, um sich mit Öl einzudecken.

Am Donnerstag und am Freitag waren die Preise drastisch gefallen. Als Auslöser dafür galten neue Zweifel an der Erholung der US-Wirtschaft, nachdem unter anderem Daten vom Arbeitsmarkt enttäuscht hatten. Deutliche Kursverluste lösten in der Folge automatische Verkäufe aus und zwangen Investoren, die auf weiter steigende Kurse gewettet hatten, ihre Positionen glattzustellen. Teilweise war an den Märkten von Panikverkäufen die Rede.

Am Donnerstag war der Preis für Öl in der Spitze um die Rekordsumme von zwölf Dollar abgerutscht. Die Unruhen im arabischen Raum sowie die anziehende Weltkonjunktur hatten den Brent-Preis in den Vorwochen auf mehr als 125 Dollar und damit den höchsten Stand seit Sommer 2008 getrieben. Am Freitag kostete Brent im Tagestief dann weniger als 107 Dollar je Barrel.

Der Preis für Gold war in den vergangenen vier Handelstagen um rund 100 Dollar abgerutscht. Noch viel stärker erwischte es Silber. Das Edelmetall hatte sich zuvor im Jahr so stark verteuert wie kein anderer Rohstoff, bis Ende April hatte das Plus rund 60 Prozent betragen. In der vergangenen Woche ging es in der Spitze aber um mehr als ein Viertel abwärts. Verstärkt wurde der Abwärtstrend hier durch höhere Sicherheitsanforderungen der Rohstoffbörse Comex, die etliche Investoren zum Verkauf zwangen.

Analysten gehen davon aus, dass die Unsicherheit der Investoren am Rohstoffmarkt noch eine Weile anhalten wird. „Bei so einem Schock dauert es Wochen oder sogar Monate, bis sich die Leute davon erholt haben“, schätzt Dennis Gartman, Verfasser des angesehenen täglichen Rohstoffmarktkommentars „The Gartman Letter“. Mittelfristig ist er allerdings optimistisch: „Wir sind nicht am Ende des Rohstoffzyklus, nicht einmal kurz davor. Was wir hier sehen, zählt immer noch als Korrektur.“

 

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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