Nach Opec-Einigung: Ölpreis setzt Rally fort

Nach Opec-Einigung
Ölpreis setzt Rally fort

Die Einigung der Opec über eine Förderkürzung beflügelt die Ölpreise auch am heutigen Donnerstag. Doch es mehren sich die Expertenstimmen, dass der Preisanstieg des schwarzen Goldes bald ein Ende haben dürfte.
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SingapurDie Ölpreise haben ihre Rally einen Tag nach den beschlossenen Opec-Förderkürzungen fortgesetzt. Die führende Nordseesorte Brent legte am Donnerstag um 1,7 Prozent auf 52,73 Dollar je Fass zu. US-Leichtöl WTI kletterte um 1,6 Prozent auf 50,24 Dollar. Am Vortag hatte sich Brent um neun Prozent verteuert und war erstmals seit fünf Wochen wieder über die Marke von 50 Dollar gestiegen.

Der Ölpreis steht seit 2014 wegen eines Überangebots unter Druck. Deshalb hatte die Opec erstmals seit 2008 eine Förderbremse beschlossen. Die Mitglieder des Öl-Kartells stimmten bei ihrer Sitzung am Mittwoch in Wien der Grundsatzvereinbarung vom September zu. Damals hatten sich die oft zerstrittenen 14 Länder auf eine Drosselung der Förderung um knapp 1,2 Millionen Barrel pro Tag auf 32,5 Millionen Barrel verständigt.

„Die Opec hat geliefert und die Bullen am Markt haben das, was sie sich erhofft hatten“, sagte Jefferies-Experte Jason Gammel. „Momentan haben die Ölpreise eine gewaltige Stütze.“ Die Analysten von Goldman Sachs rechnen mit einem Anstieg der Brent-Preise auf 55 Dollar in der ersten Hälfte kommenden Jahres. Die Experten von Morgan Stanley erwarten ein Preisband von 50 bis 60 Dollar, wenn die Opec die Produktionskürzung beibehalte.

Dauerhaft werde der Preis aber nicht so hoch bleiben, denn die geringeren Opec-Mengen ließen Raum für andere Produzenten wie die US-Schieferöl-Industrie. Auch Morgan Stanley äußerte sich skeptisch: Es sei offen, ob die einzelnen Opec-Länder die Beschlüsse auch konsequent umsetzten.

Dass die Opec-Entscheidung eher ein kleiner als ein großer Durchbruch ist, zeigt auch das Verfallsdatum des Abkommens: Die Kürzung ist ab Januar zunächst auf ein halbes Jahr begrenzt. Danach werden die Karten neu gemischt.

Bereits im September dieses Jahres hatte die Opec in Algerien schon eine prinzipielle Förderkürzung beschlossen. Das tägliche Produktionsvolumen sollte auf 32,5 bis 33 Millionen Barrel nach zuletzt geschätzten 33,6 Millionen Barrel gesenkt werden. Doch besonders der Iran hatte sich gegen eine Drosselung gestellt. Das Land wollte nach dem Ende der Wirtschaftssanktionen sogar mehr Öl fördern.

Durch ein Überangebot am Markt haben sich die Preise seit 2014 fast halbiert. Vor der Einigung war ein Fass um rund 47 Dollar zu haben. Der Anstieg betrug am Mittwoch bereits zeitweise fast neun Prozent. Bis kurz vor der Sitzung schien eine Einigung auf wackligen Füßen zu stehen. Mehrere vorbereitende Treffen waren ohne Durchbruch verlaufen. Dennoch stand die Opec unter hohem Erwartungsdruck.

Das Kartell hatte den Verfall der Ölpreise bisher ohne Gegenmaßnahmen hingenommen. Im Hintergrund spielten auch geostrategische Überlegungen der verfeindeten Regionalmächte Iran und Saudi-Arabien eine Rolle. Beide Staaten sind auf unterschiedlichen Seiten im Syrien-Krieg engagiert.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Mario Draghi könnte in diesen Tagen mehr als ein Stoßgebet zum Himmel schicken: Herr, bitte lass die Opec ihre Absprachen zur Begrenzen der Ölförderung nicht umsetzen! Denn dann müsste ich vielleicht Farbe bekennen. Bislang lautet meine Sprachregelung: Die EZB flutet die Geldmärkte, um das Inflationsziel zu erreichen. Das wollen mir viele gerne glauben. Denn sie profitieren von meiner Nullzinspolitik und meinen Anleihekäufen. Was aber, wenn die Opec die Inflation des Euro zuerst Richtung zwei Prozent und dann noch darüber hinaus treibt? Müsste ich dann etwa meinen Kurs ändern? Oder vielleicht doch nur neu begründen? Aber würden mir die Menschen dann überhaupt abkaufen, dass ich aus edelsten Motiven die Geldschleusen weiterhin offen lasse? Es gibt ja schon jetzt viele Zweifler, gerade in Deutschland, die befürchten, dass mein Geldsegen eigentlich eine gewaltige Umverteilung von Nord nach Süd bewirken soll. Und was, wenn sich die Politik dann des Themas doch noch ernsthaft annehmen sollte? Herr, führe die Opec nicht in Versuchung, zu tun, was sie beschlossen hat! So in etwa könnten Mario Draghis Stoßgebete lauten. Aber vielleicht betet der ja gar nicht. Und dann wäre alles doch ganz anders.

  • So schnell kann sich kein Oelpreis entwicklen. Das sind reine Spekulationen an den Rohstoffbörsen, die den Preis beim Oel nach oben treiben.
    Der Oel Markt hat zuviele Oellieferanten die neben der Opec die Oelflut des Marktes aufrecht erhalten. Zum Wohl der Wirtschaft und des Endverbrauchers.

    Wer die Rohstoffpreise und den Oelpreis wie auch Energiepreise für die Menschen künstlich = ideologisch politisch gewollt OBEN halten will, der ist zu tiefst Markt und Gesellschaftsfeindlich eingestellt.Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.
     

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