Nachfrage boomt, vor allem in China – Naturkautschuk ist derzeit billiger als synthetischer
Hoher Ölpreis verteuert Kautschuk

Kautschuk bleibt nach Experteneinschätzung teuer. Einerseits ist die Nachfrage nach dem vorwiegend in der Reifenproduktion eingesetzten Rohstoff hoch. Andererseits richtet sich der Preis für das Naturprodukt nach dem für synthetischen Kautschuk. Da dieser aus Öl gewonnen wird, sind die Notierungen hoch.

LONDON. Hidde Smit von der International Rubber Study Group (IRSG) in London strömt Zuversicht aus. Der seit Jahresbeginn nochmals deutlich angestiegene Ölpreis und die boomende Nachfrage nach Kautschuk lässt ihn von anhaltend hohen Preisen für das aus dem Baumsaft Latex gewonnene Naturprodukt ausgehen. Nach den Schätzungen der IRSG-Marktforscher wird der Welt-Kautschukverbrauch 2005 um immerhin 5,6 Prozent auf 8,72 Mill. Tonnen zunehmen, die Produktion dagegen um kaum mehr als 1,7 Prozent auf 8,78 Mill. Tonnen. Die kräftig steigende Nachfrage Chinas und Indiens spielt auch bei Kautschuk eine große Rolle.

Der 2005 geringfügig wachsende Produktionsüberhang stellt damit nach übereinstimmender Ansicht keine unmittelbare Gefahr für den Kautschukpreis dar. Der hohe Ölpreis hat nämlich auch den aus dem Ölnebenprodukt Butadien gewonnenen Synthesekautschuk stark verteuert. Dessen Preis von inzwischen über 1,50 Dollar je Kilogramm habe Naturkautschuk zur „preiswerteren Alternative gemacht“, urteilt Smitt. So notierte Kautschuk der Standardqualiät RSS3 (Ribbed Smoked Sheet number 3) zuletzt trotz eines fast 20-prozentigen Anstiegs seit Jahresbeginn mit etwa 1,43 Dollar je Kilo immer noch geringfügig niedriger als das 1909 von dem deutschen Chemiker Fritz Hoffmann in den Farbenfabriken Bayer entwickelte synthetische Konkurrenzprodukt.

In der Regel ist Synthesekautschuk billiger als das aus Latex gewonnene Naturprodukt. Sein Anteil an der Deckung des Weltkautschukbedarfs schwankt in der Regel zwischen 60 und 70 Prozent. Der weitaus größte Teil des Kautschukaufkommens dient der Herstellung von Autoreifen.

Der erste Europäer, der auf den aus der Milch des Kautschukbaumes (Latex) gewonnenen Rohstoff aufmerksam wurde, war vermutlich Christoph Kolumbus. Auf seiner zweiten Amerikareise 1493 - 1496 lernte dieser dort Spiele der Eingeborenen mit Bällen aus einem elastischem Harz kennen.

1876 schmuggelte der Engländer Henry Wickham rund 70 0000 Kautschuksamen nach Großbritannien. Daraus wurden in den asiatischen Kolonien Großbritanniens Kautschuk-Plantagen eingerichtet. Heute sind die vier wichtigsten Produzentenländer Thailand, Indonesien, Malaysia und Indien. Kolumbien und Panama verloren indes frühzeitig ihre Bedeutung auf dem Kautschukmarkt, weil sie die kostbaren Bäume zur Beschleunigung des „Latex-Flusses“ gefällt hatten statt diese schonend durch Schnitte in die Rinde lediglich anzuzapfen. Durchschnittlich darf jeder Baum etwa 165 Mal im Jahr angezapft werden.

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