Nachgefragt
„Dollar-Fall hilft Aktien“

Vier Fragen zum Thema Euro-Stärke bzw. Dollar-Schwäche an Ben Funnell, Mit-Leiter der europäischen Aktienstrategie der Investmentbank Morgan Stanley.

Herr Funnell, in den vergangenen Monaten sind europäische und amerikanische Aktien fast parallel gestiegen, obwohl der Euro kräftig zugelegt hat. Ist diese Entwicklung normal?

Eigentlich nicht. Von den elf Zeiträumen, in denen der Dollarkurs mehr als zehn Prozent gefallen ist, sind europäische Aktien nur in drei Fällen gestiegen. Das waren die einzigen Male, in denen der Dollar-Fall mit einer starken US–Wirtschaft und steigenden Gewinnen einherging, so wie derzeit. Insofern ist die parallele Aufwärtsbewegung normal und fundamental gerechtfertigt. Die Dollar-Abwertung stützt den Aufschwung in den USA, und der kommt auch europäischen Exporteuren zu Gute. Zudem ist der Einfluss der Wechselkurse auf die europäischen Unternehmensgewinne nicht allzu groß. Eine zehnprozentige Aufwertung zum Dollar drückt das Gewinnwachstum nur um drei Prozentpunkte.

Würden Sie ihren Optimismus auch behalten, wenn die Dollar-Abwertung weiter ginge?

Wir erwarten eine weitere Abwertung. Wenn sie in ruhigen Bahnen verläuft, ist das kein Problem. Wenn es aber zu einem richtig gehenden Dollar-Crash kommt, dann werden die europäischen Aktienmärkte zusammen mit den amerikanischen nach unten gezogen. In nächster Zeit sehe ich kaum eine Chance für eine Abkopplung. Die beiden Märkte gehen entweder zusammen nach oben oder zusammen nach unten.

Welcher Markt ist attraktiver?

Der europäische. Europäische Aktien werden derzeit mit einem Abschlag von rund 36 % zu amerikanischen gehandelt. So hoch war der Abschlag seit den siebziger Jahren nicht mehr. Mit dem Dreizehnfachen der für 2004 erwarteten Gewinne sind europäische Aktien derzeit vernünftig bewertet. In den USA ist das Kurs-Gewin-Verhältnis mit über 17 dagegen recht hoch. Wir empfehlen daher, amerikanische Aktien unterzugewichten, während wir alle anderen großen Märkte übergewichten würden.

Wann ist es Zeit auszusteigen?

Wenn die US-Notenbank oder die EZB die Zinsen erhöhen. Wegen ihrer hohen Verschuldung sind vor allem die US-amerikanischen Haushalte und Unternehmen anfällig gegen höheren Zinsen.

Quelle: Handelsblatt. Die Fragen stellte Norbert Häring

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