Nachgefragt: Fadhil Chalabi
„Öl wird immer unwichtiger“

Der Iraker Fadhil Chalabi ist Direktor des Center for Global Energy Studies in London.



Der Ölpreis ist hoch und die Profite der Industrie auch. Investiert sie nun in neue Projekte?

Im Prinzip schon. Es gibt ja kaum noch einen Puffer bei der Produktion, der bei einem weiteren unerwarteten Anstieg der Nachfrage genutzt werden könnte. Der Bedarf ist daher groß. Am meisten könnten die nationalen Förderunternehmen der Opec ausrichten. Dazu müssten sie sich aber stärker für ausländische Konzerne öffnen. Das tun sie aber nicht.

Was bleibt als Alternativen für die Multis?

Der Fokus liegt auf Russland, Westafrika und dem Golf von Mexiko. Das richtige gute Öl liegt aber nicht da, sondern im Mittleren Osten, weil es dort auch noch zu geringen Kosten förderbar ist.

Lohnt es sich denn, weiter in der Nordsee zu fördern?

Vor allem die britischen Felder fallen zurück, weil die Reserven zu Ende gehen. Für Norwegen sieht das anders aus, aber auch dort stößt man selbst unter den Bedingungen eines hohen Ölpreises an die Grenzen. Ähnliches gilt für die USA. Einzig im Golf von Mexiko gibt es noch interessante Felder. Die liegen aber tief unter Wasser und sind daher nur unter hohen Kosten förderbar, so wie die Felder vor Westafrika.

Das hört sich ja fast so an, als ob die Industrie nur wenig von den hohen Ölpreisen profitiert ...

Doch natürlich. Bei einem langfristigen Preis von 20 bis 22 Dollar sind diese Ressourcen sehr gut förderbar. Langfristig muss man auch die Wirkung neuer Technologien berücksichtigen: Die helfen den Konzernen, ihre Kosten bei der Förderung in schwierigen Gebieten zu senken.

Heißt das nicht auch, dass die Abhängigkeit Europas von diesen Regionen weiter steigt?

Über die vergangenen 25 Jahre ist die Abhängigkeit Europas vom Öl aus dem Mittleren Osten stark gesunken zu Gunsten anderer Regionen. Aber auch durch Energiesparen. Wenn ich mal weit in die Zukunft schaue: Öl wird immer unwichtiger für wirtschaftliches Wachstum, weil dieses sich stärker auf weniger energieintensive Bereiche stützen wird.

Wird bis dahin die Ölindustrie die Nachfrage decken können?

Diese ganzen Prognosen sind doch übertrieben. Es gibt genug Öl. Die Industrie kann das Geld besser in den Ausbau der Transportkapazitäten und Raffinerien strecken. Dort wird es gebraucht.

Die Fragen stellte Thomas Wiede.

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