Nachgefragt: Jeffrey Currie
Currie: „Es wird noch nicht genug investiert“

Der Rohstoffindex GSCI gibt nach. Jeffrey Currie, verantwortlich für das Commodities Research Europa von Goldman Sachs, im Gespräch mit dem Handelsblatt über günstige Eintrittszeitpunkte für Investoren und die Erwartungen für das Jahr 2006.

Handelsblatt:



Der Rohstoffindex GSCI gibt nach. Dreht der Trend oder ist das nur eine Korrektur?

Currie:Die Energiepreise haben wohl eine Korrektur gesehen. Aber wir glauben, dass die Preise zu stark gefallen sind. Jetzt ist ein guter Eintrittszeitpunkt für Investoren, denn wir befinden uns nach wie vor in einem strukturellen Bullenmarkt für Rohstoffinvestments, der noch fünf bis zehn Jahre anhalten könnte. In Rezessionsjahren wird es aber sehr wahrscheinlich zu temporären Rückschritten kommen.

Warum sind die Preise seit 2001 so stark gestiegen?

Die vorhandene Infrastrukturkapazitäten ist fast zur Gänze erschöpft. Kapazitäten sind zum Beispiel bei Raffinerien über 20 Jahre weltweit nicht erweitert worden, aber die Nachfrage steigt ständig. Der Aufbau neuer Infrastruktur erfordert lange Vorlaufzeiten, und noch wird nicht ausreichend investiert.

Was erwarten Sie für 2006?

Der Trend wird sich fortsetzen, dass Preisvolatilität und Preise hoch bleiben. Für die Ölsorte WTI rechnen wir mit 68 Dollar je Barrel im Jahresdurchschnitt. Wir erwarten also, dass Preise vom heutigen Niveau wieder ansteigen werden.

Gibt es Unterschiede bei den einzelnen Rohstoffen?

Infrastrukturknappheit betrifft vor allem die Bereiche Energie und Industriemetalle. Der rasante Preisanstieg von Metallen wie Kupfer ist zum großen Teil auf starke Nachfrage aus China zurückzuführen. Bei Energie ist die Weltnachfrage wichtiger. Und der Weltwirtschaft geht es gut; für 2006 erwarten wir vier Prozent Wachstum.

Wie steht es im Agrarbereich?

Die Nachfrage hängt stark vom Pro-Kopf-Einkommen ab: Steigender Reichtum vor allem in stark expandierenden Ländern wie China führt zu höherem Konsum an hochwertigen Nahrungsmitteln wie Rindfleisch. Dies ist wiederum gut für die Nachfrage von Weizen und Mais. Das Angebot an Agrarprodukten ist zu einem bedeutenden Teil wetterabhängig.

Wo liegen die größten Risiken?

Das größte Risiko ist eine fallende Nachfrage. Verlangsamt sich das Weltwirtschaftswachstum, würden die Rohstoffpreise und damit die Investitionserträge fallen. Das Industriemetall-Angebot könnte 2006 leicht steigen, auch dies würde einen Preisrückgang herbeiführen. Und warmes Winterwetter in der nördlichen Hemisphäre wäre „bearish“ für Energiepreise.

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