Nachgefragt: Klaus Martini
"Nachfrage aus Asien bleibt hoch"

Beim Öl sollten wir die Höchststände gesehen haben, meint Klaus Martini, Global Chief Investment Officer der Deutschen Bank. Bei anderen Rohstoffen werde die Nachfrage aus Asien die Preise treiben.

Drohen durch die hohen Rohstoffpreise Gefahren für das wirtschaftliche Wachstum?

Da der Preisanstieg vor allem auf die dynamische Nachfrage zurückzuführen ist und nicht auf einen Angebotsschock, ist mit einer Konjunkturabschwächung zu rechnen, nicht aber mit einer globalen Rezession.

Bringt der schwache Dollar Entlastung für die Euro-Zone?

Ja, die Euro-Stärke wirkt einer generellen Preissteigerung bei Importprodukten entgegen.

Haben die Rohstoffpreise ihren Höchststand schon erreicht?

Hier gibt es Unterschiede: Beim Öl sollten wir die Höchststände gesehen haben, sofern keine politischen Überraschungen oder etwa ein starker Kälteeinbruch auftreten. Mittelfristig werden sich Angebot und Nachfrage wieder als preisbestimmende Faktoren durchsetzen. In zwölf Monaten sehen wir den Preis bei rund 37 Dollar. Anders sieht es aus etwa bei Industriemetallen oder Agrarprodukten. Die hohe Nachfrage aus Asien ist entscheidend für weiter steigende Preise. Mittelfristig wird der Trend anhalten, da jahrelang nicht genug in Kapazitätsausweitungen investiert wurde.

Was spricht für oder gegen einen weiteren Preisanstieg?

Für einen weiteren Preisanstieg spricht, dass die Lagerbestände vieler Rohstoffe historisch niedrig sind. Dagegen sprechen die erwartete Konjunkturabschwächung und das hohe Preisniveau.

Was sollte ein Anleger bei Rohstoffengagements beachten?

Nicht jedes Anlageinstrument folgt exakt der Preisentwicklung des Rohstoffes. Bei Aktien etwa hängt der Kurs nur teilweise vom Rohstoffpreis ab. Faktoren wie Absicherungsaktivitäten an den Terminmärkten und Bewertungen von Reserven spielen eine wichtige Rolle. Die Hauptanlageinstrumente sind: Goldbarren, Goldmünzen, Rohstoffaktien, -fonds, -zertifikate und -indizes sowie Rohstoff-Futures.

Die Metallpreise sind hoch. Lohnt der Einstieg hier noch?

Der Anstieg der Metallpreise ist in wesentlichen Teilen strukturell bedingt. Hierbei spielt China die entscheidende Rolle, da es beim Aufbau seiner Infrastruktur auf absehbare Zeit auf Rohstoffe angewiesen ist, die zu großen Teilen importiert werden. So ist zum Beispiel damit zu rechnen, dass der Kupferbedarf Chinas wegen des Ausbaus der Stromversorgung (Turbinen, Kabel, Drähte) mittelfristig um jährlich zehn Prozent steigen wird. Generell ist bei Rohstoffen, die China importieren muss, mit einer weiter knappen Versorgungslage und hohen oder steigenden Preisen zu rechnen.

Die Fragen stellte Regine Palm.

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