Nachgefragt: Michael Hartnett
„Euro dürfte auf 1,30 Dollar steigen“

Herr Hartnett, viele Finanzmarktteilnehmer treibt die Sorge um, dass es zu einem Dollar-Crash kommt. Teilen Sie diese Befürchtung?

Nein. Die großen Industrieländer haben in Dubai deutlich gemacht, dass sie den Dollar nicht einbrechen lassen werden. Gäbe es Anzeichen dafür, würden sie gemeinsam am Devisenmarkt intervenieren und Dollar kaufen. Allerdings sollten sich die Märkte schon darauf einstellen, dass der Dollar in geordneten Bahnen deutlich abwertet. Ich rechne damit, dass der Euro Ende nächsten Jahres über 1,30 Dollar stehen wird.

Worin sehen Sie den Unterschied zwischen einem Dollar-Crash und einer geordneten Abwertung?

Von einem Crash würde ich sprechen, wenn der Dollar scharf abwertet und es gleichzeitig zu kräftig steigenden Zinsen in den USA und fallenden Aktienkursen käme. Dann, und nur dann, würde die G7 intervenieren.

Verkraftet Europas Konjunktur eine weitere Euro-Aufwertung?

Ob ein schwächerer Dollar gut oder schlecht für Europas Exporteure ist, hängt davon ab, ob er gut oder schlecht für die US-Wirtschaft ist. Aus meiner Sicht wird eine Dollar-Abwertung der US-Wirtschaft helfen. Eine stärkere US-Wirtschaft und damit eine stärkere Weltwirtschaft bedeutet wachsende Exportmärkte. Das gleicht zumindest mittelfristig den Verlust an Wettbewerbsfähigkeit für europäische Exporteure aus.

Das Gespräch führte Norbert Häring.

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