Nachgemachte 100-Dollar-Noten
Von falschen Noten und echten Gaunern

„Superdollar“ tauften Ermittler eine Banknoten-Fälschung, die ihrem Original sogar etwas voraus hat: Sie ist von besserer Qualität. Die USA verdächtigen seit langem das Regime in Nordkorea, die Blüten hergestellt zu haben. Doch nun mehren sich die Zweifel an der Theorie von der staatlichen Gaunerei.

ZÜRICH. Das Drehbuch für diesen Thriller ist bisher nie geschrieben worden. Dabei gibt es wenige Fälle in der Kriminalgeschichte, die die Ermittler weltweit so lange und mit solcher Intensität beschäftigen. Und selten sind sie so erfolglos wie beim Kampf gegen den „Superdollar“: eine gefälschte 100-Dollar-Note, die inzwischen sogar das Weiße Haus in Washington zu rüden Stellungnahmen veranlasst.

Der Name „Superdollar“ stammt von den Ermittlern selbst. Sie bekunden ihren Respekt gegenüber jenen Fälschern, denen sie seit bald 20 Jahren nicht auf die Schliche kommen. Einige Fäden der Interpol-Ermittlungen laufen in der Schweiz zusammen, wo jetzt die Bundeskriminalpolizei ihren jüngsten Zwischenstand zum „Superdollar“ veröffentlich hat. Sie meldet mit Blick auf die offizielle US-Version dieses Thrillers Zweifel an. Doch der Reihe nach.

Es ist das Jahr 1989. Bei Routinekontrollen einer Bank in Manila auf den Philippinen fällt den Beamten eine gefälschte 100-Dollar-Federal-Reserve-Note in die Hände, die für Aufregung sorgt: Sie ist so perfekt, dass sie selbst Experten, die sie eingehend betrachten und befühlen, nicht vom Original unterscheiden können. Einziges Merkmal der Fälschung: Dort, wo die echte Dollarnote Mängel wie nicht ganz durchgezogenen Linien aufweist, ist die Fälschung makellos. „Die Druckqualität der Fälschung ist besser als diejenige der echten Hundertdollar-Note“, urteilt die Schweizer Bundeskriminalpolizei in einem Bericht, den sie jetzt veröffentlich hat.

Thomas Fritschi vom Berner Kommissariat für Falschgeld gilt als einer der führenden Experten seines Fachs. Weil das Land ein internationaler Finanzplatz ist, gehen durch seine Hände mehr Fälschungen, als sie Ermittler in anderen Ländern je zu Gesicht bekommen. Genau 4 342 Anzeigen wegen Falschgeldverdachts von Finanzinstituten, Polizei- und Zollbehörden musste sein Kommissariat im vergangen Jahr bearbeiten. 26 Währungen nahmen die Beamten unter die Lupe: neben Euro und Franken vor allem Dollar. „Hier kommt mehr zusammen als anderswo in Europa“, sagt Fritschi.

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