Nahrungsmittel
Agrarrohstoffe neu entdeckt

Anleger haben den Agrarsektor wieder für sich entdeckt. Nach Ansicht von Experten wird die Landwirtschaft wieder zu einem prosperiereden Wirtschaftssektor werden. Grund ist die wachsende Weltbevölkerung und der steigende Lebensstandard in China oder Indien, durch den die Nachfrage nach höherwertigen Nahrungsmitteln steigt.

FRANKFURT. Anleger investieren wieder verstärkt in den Agrarsektor. Dieser bietet nach Ansicht vieler Banken und Marktbeobachter große Chancen. Die Preise für Agrarrohstoffe befinden sich in etwa auf dem Niveau wie im Jahr 2006 vor der Hausse, gleichzeitig steigt aber die Nachfrage nach Nahrungsmitteln. "Agrarische Rohstoffe bieten heute sehr interessante Perspektiven", sagt der bekannte Rohstoff-Investor Jim Rogers dem Handelsblatt. Trotz guter Ernten im Jahr 2008 bleibe die Versorgungslage insgesamt angespannt. Christophe Orly, Fondsmanager des Julius Bär Agrarfonds, empfiehlt insbesondere Aktien von Unternehmen, die dazu beitragen, die Versorgungslücke zu schließen.

Wissenschaftler warnen eindringlich vor drohenden Hungersnöten. Eine Analyse der Situation zeigt, dass die Jahrtausendwende mit einer Wende an den Agrarmärkten einherging; denn seither wächst die Nachfrage nach Nahrungsmitteln rascher als das Angebot. Weltweit wird sich die Nachfrage nach Nahrungsmitteln bis zum Jahr 2050 verdoppeln, das Angebot kann damit nicht Schritt halten.

"Nur wenn die Agrarwirtschaft ihre Produktivität weiter steigert, ist der Kampf gegen Hunger und Klimawandel zu gewinnen", sagt Professor Harald von Witzke von der Humboldt-Universität in Berlin. Für ihn stellt die Sicherung der Welternährung das zentrale politische Problem dar. "Landwirtschaft hat goldenen Boden und wird wieder zu einem prosperierenden Wirtschaftsbereich", sagt er im Handelsblatt-Gespräch.

Für Eugen Weinberg von der Commerzbank steht fest, dass die langfristigen Triebfedern für steigende Agrar-Investments weiterhin voll intakt sind. Die Weltbevölkerung wird nach Berechnungen der Vereinten Nationen von 6,6 Mrd. bis zum Jahr 2030 auf etwa neun Mrd. Menschen wachsen. Die Menschen in China und in bevölkerungsreichen Schwellenländern werden mit steigendem Wohlstand höherwertige Nahrungsmittel konsumieren.

In China und Indien dürften rund 1,1 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2025 in die mittlere Einkommensklasse aufrücken und dann auch ihren Fleischkonsum überdurchschnittlich steigern, sagt Gertjan van de Geer, Fondsmanager der Schweizer Bank Pictet & Cie. Darüber hinaus werden Agrarrohstoffe seit geraumer Zeit verstärkt zur Herstellung von Biotreibstoffen wie Ethanol und Biodiesel genutzt.

Vor diesem Hintergrund dürfte das globale Angebot an Nahrungsmitteln die steigende Nachfrage nicht decken. Denn zum einen sind die weltweit verfügbaren Agrarflächen nicht beliebig ausdehnbar, und zum anderen stelle die begrenzte Verfügbarkeit von Wasser für die Agrarwirtschaft in der Welt ein Riesenproblem dar. Wasser wird weltweit knapper und teurer. So verwundert nicht, wenn das im Jahr 1995 von den Vereinten Nationen formulierte Ziel, die Anzahl mangelernährter Menschen in der Welt bis zum Jahr 2015 zu halbieren, nicht erreicht werden kann. Die Zahl der hungernden Menschen hat bisher sogar zugenommen.

Was kann getan werden, um die Nahrungslücke zu schließen? Fachleute sagen, dass die reichen Länder mehr Agrarrohstoffe produzieren und exportieren müssen. Außerdem müsse die Landwirtschaft effizienter werden, sagt van de Geer. Das erfordert höhere Investitionen. "Etwa in der privaten und öffentlichen Agrarforschung", sagt von Witzke. Eine höhere Produktivität sei vor allem über die Steigerung der Flächenproduktivität zu erreichen. Der Wissenschaftler hat dem Agrarministerium in Berlin in diesem Kontext kürzlich das Arbeitspapier "Food First-Sicherung der globalen Nahrungsmittelversorgung" vorgelegt. Die Resonanz sei ernüchternd gewesen. Es gebe keine schlüssige Rohstoffpolitik der Bundesregierung.

Die Anlagepalette

Direktinvestments

in Rohstoffe sind vonseiten der Anleger in der Regel nur über Derivate wie Futures und Optionen möglich. Ausgenommen hiervon sind Edelmetalle und Diamanten - hier investieren Anleger auch in die physische Ware.

Rohstoffaktien

sind die von Investoren am häufigsten genutzte Form, um am Aufschwung der Rohstoffmärkte teilzuhaben. Darüber hinaus erfreuen sich vor allem Investmentfonds großer Beliebtheit, die ihr Kapital in Aktien von Rohstoffunternehmen stecken.

Strukturierte Produkte

Zertifikate und Optionsscheine auf Rohstoffe und Rohstoffindizes haben während der vergangenen Monate gerade nach der starken Preiskorrektur von "Commodities" aufseiten der Anleger wieder deutlich an Popularität gewonnen.

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