Nationalbank
Schweiz will Franken um jeden Preis schwächen

Die Schweizerische Nationalbank hält an ihrem Kurs fest: Sie will den Kurs von 1,20 Franken je Euro eisern verteidigen, selbst wenn die Griechen aus der Euro-Zone austreten. Doch inzwischen kommen bei Anlegern Zweifel auf.
  • 3

Der Effekt verpuffte schnell: Am Wochenende hatte Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Kapitalverkehrskontrollen als Option ins Spiel gebracht, um weiteren Aufwärtsdruck vom Schweizer Franken zu nehmen. „Die Schweiz bereitet ihren Giftschrank vor", kommentierte Thomas Flury, Währungsstratege der Großbank UBS.

Tatsächlich erholte sich nach dieser Ankündigung zunächst der Euro gegenüber dem Franken. Doch schon gestern Nachmittag krebste die Schweizer Währung wieder dicht am Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro. Vergangenen September hatte die Schweizer Notenbank diesen Mindestkurs verkündet, um die Aufwertung des Franken zu stoppen. Bisher mit Erfolg.

Nach übereinstimmenden Aussagen von Ökonomen und Devisenexperten blieb bisher der große Test der Märkte gegen die Entschlossenheit der Schweizer Notenbank aus. „Bisher hat es keinen ernsthaften Test gegeben", meint zum Beispiel Andreas Küffer, Devisenexperte der Zürcher Kantonalbank.

Dass der Franken-Euro-Kurs kurz vor Ostern einmal kurz unterhalb die Kursgrenze getaucht war, wird allgemein als Panne interpretiert. Dennoch hat die Notenbank immer wieder einmal gezielt interveniert. Einen Hinweis darauf geben die Sichtguthaben der Banken bei der Notenbank: Sie schnellten in der vergangenen Woche um 17 Milliarden auf 171 Milliarden Franken. Dies werten Experten als Indiz für eine Intervention.

Denn wenn die Notenbank von Banken Euro kauft, gibt sie ihnen Franken dafür, die das Geld dann zunächst als Sichtguthaben deponieren. Die Notenbank selbst will dazu keine weiteren Angaben machen. Doch so langsam kommen an den Märkten Zweifel auf, ob die Zentralbank auch bei einem Austritt Griechenlands die Kursgrenze wird verteidigen können.

Seite 1:

Schweiz will Franken um jeden Preis schwächen

Seite 2:

Notenpresse wird angeworfen

Kommentare zu " Nationalbank: Schweiz will Franken um jeden Preis schwächen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sie sagen "Immerhin: Inflation ist in der Schweiz weit und breit nicht in Sicht". Nun, ich bin Schweizer, lebe in der Schweiz und kann Ihnen da nur widersprechen. Die Wohnungsmieten sind in den letzten fünf Jahren massiv angestiegen - wegen der Inflation. Mein Vermieter hatte mir die Mietzins-Erhöhung sogar mit der massiven Inflation begründet. Bekanntlich stimmen die offiziellen Inflationszahlen keineswegs. Basierend auf meinen Erfahrungen mit den Krankenkassen-Prämien, den Mietzinsen und sonstigen Waren, schätze ich die Realinflation auf etwa 7 bis 8 Prozent ein. Natürlich hängt das sehr von Warenkorb ab, der als Referenz gewählt wird. Gerade in der Konsumer-Elektronik sind die Preise stark gefallen. Vermutlich weil die Produzenten ihre Lagerbestände reduzieren wollen. Es wird andauernd produziert, und die Lager können nicht ständig erweitert werden. Meine Mutter jammert zum Beispiel immer darüber wie teuer die Lebensmittel geworden sind. Nun kauft sie in Deutschland ein. Seit 1970 hat der Schweizer Franken etwa 75 Prozent an Wert verloren. Da zu behaupten der Franken sei zu hart, finde ich schon etwas merkwürdig. Mein Vater jammert immer darüber, dass er bei seiner Pension keinen Inflationsausgleich bekomme. Zum Vergleich: Eine Wohnung, die im Jahr 1974 etwa 1800 Franken gekostet hat, kostet heute etwa 4500 Franken. Eine Packung Zigaretten hat im Jahr 1980 etwa 2 Franken gekostet, heute um die 7 Franken. Die "offizielle Inflation" beträgt bekanntlich nur 2 Prozent. Bedenken sollte man auch, dass die Banken heute in der Schweiz kaum noch Zinsen auszahlen, was die Wert mindernde Wirkung auf das Bankkonto noch verstärkt. Im Jahr 1988 hatte ich noch 4 Prozent Zinsen per Annum bekommen - heute sind die Zinsen nicht mehr der Rede wert. Inflation ist eine Form der versteckten Steuer, und Politiker können nie genug davon haben.

  • Wie recht du hast! Goldstandard aus dem eigenen Geld Zaubern ist die Antwort!

  • Viel blabla ....
    Crasht der Euro, haut es auch den Franken weg !
    Dank der vielen Euro "Stützungskäufe" und der Aufhebung des Goldstandards hat der Franken nur noch Altmetallwert.....

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%