Nervöse Investoren: Nächster Pflegefall: Großbritannien

Nervöse Investoren
Nächster Pflegefall: Großbritannien

Nicht Griechenland, nicht Italien, nicht Spanien – Großbritannien ist das nächste Sorgenkind der Märkte. Spekulanten wetten gegen das Pfund. Die Kosten für Ausfallversicherungen steigen. Die Notenbank scheint machtlos.
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LondonGriechenland, Portugal, Italien, Spanien, zuletzt auch Frankreich - auf diese Länder richtete sich bislang der besorgte Blick der Investoren. Ein Land wurde dabei häufig übersehen, das ebenfalls mit einer schwachen Wirtschaft und einer hohen Staatsverschuldung zu kämpfen hat: Großbritannien. Nun rückt das Vereinigte Königreich zunehmend ins Visier der Märkte.

Das Vertrauen, dass Großbritannien seine Verbindlichkeiten fristgerecht bedienen kann, sinkt im Rekordtempo. Seit Anfang November haben sich Kreditausfallversicherungen (CDS) auf britische Staatsanleihen um 76 Prozent verteuert. Von einer Panik zu sprechen wäre zwar übertrieben, dennoch werden die Sorgen der Anleger größer und größer. Sie haben allen Grund dazu, denn in letzter Zeit häuften sich die Negativschlagzeilen.

Die britische Wirtschaft war im vierten Quartal 2012 um 0,3 Prozent geschrumpft. Sollte sich der Abwärtstrend fortsetzen, droht eine neue Rezession – es wäre die dritte innerhalb von fünf Jahren. Auf der Insel spricht man bereits von einem „Triple Dip“. Vieles deutet darauf hin, dass es tatsächlich dazu kommt. Die Industrieproduktion ging im Januar um 1,5 Prozent zurück, damit hatten selbst Experten nicht gerechnet. Andere Indikatoren zeigen das gleiche Bild.

Die Herausforderungen für Großbritannien seien tief verwurzelt und schwierig zu bewältigen, warnte Schatzkanzler George Osborne vor wenigen Monaten. Zu seinem eigenen Missfallen bestätigt sich diese Einschätzung ein ums andere Mal. Während Deutschland, wie viele andere Euro-Staaten auch, die Krise längst überwunden hat, fällt Großbritannien immer weiter zurück. Selbst Italiens Wirtschaft hat sich zuletzt besser entwickelt.

Überhaupt hat man aktuell das Gefühl, dass in Südeuropa, trotz aller Querelen, die Reformen allmählich greifen. Vor allem die Staatsdefizite sind inzwischen deutlich geringer als in Großbritannien. „Während sich die Welt bei Europa insgesamt mittlerweile etwas wohler fühlt, bewegt sich Großbritannien in die entgegengesetzte Richtung. Sein Status als sicherer Hafen ist gefährdet“, sagt Arif Husain, zuständig für europäische Staatsanleihen bei Alliance Bernstein in London.

Absolut betrachtet sind die CDS-Prämien bislang nicht allzu hoch. Derzeit kosten sie etwa 10,5 Basispunkte mehr als Versicherungen für deutsche Bundesanleihen. Doch im Juni hatten die britischen noch fast 35 Basispunkte weniger gekostet als die deutschen. Damals galten die Bonds als die sichersten unter den großen Ländern der Region. Das hat sich schlagartig geändert, in den vergangenen Wochen sind die Prämien regelrecht explodiert wie sonst nirgendwo. Mittlerweile ist es teurer, britische Staatsanleihen zu versichern als Bonds von Ländern wie Finnland, Dänemark oder Österreich.

Kommentare zu " Nervöse Investoren: Nächster Pflegefall: Großbritannien"

Alle Kommentare
  • Das unsägliche ist,dass Merkel und Schäuble
    sich so dermaßen haben vorführen lassen.
    Glaubten sie doch tatsächlich fest daran,das nur
    Griechenland gerettet werden müsse und alles
    wäre bestens.
    Dafür machten sie jedes Zugeständnis.
    Ätsch ihr Bekloppten,möchte man ihnen zurufen.
    Wer Maastricht aushebelt,dem Betrug die Tür weit
    aufmacht.dem ESM zustimmt,hat es nicht besser verdient.
    Blödheit gehört bestraft,wenn es nicht ein ganzes
    Volk treffen würde.
    Macht dieser Flickschusterei,der Anbiederei,endlich
    ein Ende.Ihr seid so dämlich,das euch die Schweine
    beißen müßten.
    Harakiri wäre ein Gnadentod für euch.
    Aber Gesichtsverlust ist euch völlig fremd.
    Dafür grinst ihr besonders debil in jede Kamera.





  • Ist doch normal. Jeder Politiker egal in welchem Land er agiert, betrachtet sein Handeln als die beste Lösung für sein Land. Auch wenn es sich nach Jahren als Griff in die Toilettenschüssel erweist (Agenda 2010). Doch was interessiert einen Politiker im Ruhestand sein Geschwätz von vorgestern, Hauptsache die Kohle jeden Ersten im Monat auf dem Konto stimmt. Manchmal glaube ich, dass es der Welt ohne Politiker ein Stück besser gehen würde.

  • er hat wohl einfach die fakten gesehen. in deutschland gibt es keine krisenanzeichen. das wachstum ist nicht hoch, aber ein krisenzeichen ist das ganz und gar nicht. es gibt noch andere, wenn auch wenige, eu staaten, die auch gut laufen. aber für viele - vorallem in foren - ist natürlich immer krise, solange nicht vollbeschäftigung herrscht und jeder mindestens 2.000 netto verdient.

  • "Waehrend Deutschland und viele andere EU Staaten die Krise laengst ueberwunden haben...."
    Wo lebt der Autor? Hat er wohl auf dem mars per Rauchzeichen von der Erde so interpretiert?

  • Na, haben Thatchers und Blairs Reformen dem Land wohl doch nicht weitergeholfen...Ok, die City hat in guten Zeiten für jede Menge Steuereinnahmen gesorgt. Allerdings hat die britische Regierung die sprudelnden Steuereinnahmen mit erheblichen Systemrisiken bezahlt, die sich in der Finanzkrise bemerkbar machten. Das Geld ist in die Bankenrettung geflossen und kann nicht für Konjunkturprogramme ausgegeben werden.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Wer sagt denn, dass unser Land wirtschaftlich nicht marode ist? Uns geht es nicht trotz der Krise gut, sondern gerade wegen der Krise. Sie werden noch sehen, wie es um unser Land bestellt ist, wenn die Krise langsam ein Ende nimmt.

  • Wem hat den dieser EURO genutzt.Nicht dem einfachen Bürger,sondern nur den Staaten um ihre Schulden zahlenmässig zu schönen(am Beispiel BRD zu halbieren) und den grossen Konzernen um den Währungsausgleich zu beseitigen.Aber wie es immer ist,zahlt der kleine Mann(Frau)die Zeche.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Sei es wie es ist.

    Es sind viele Tugenden verlorengegangen. Wie: Sparsamkeit, Bescheidenheit, Fleiß, Ausdauer, Rücksichtnahme u. m. Vielleicht haben in der Tat aufgrund ihrer schlimmen Vergangenheit die Deutschen diese noch nicht ganz vergessen. Ob es am Ende reichen wird, wird sich noch herausstellen.

    Was uns vernichtet: Gier, Verschwendung, Spekulation, Gigantomanie, Schnäppchenmanie, Korruption, Egoismus u. m.
    Noch schlimmer sind: Irrglaube, Verführung, Armut.

    All diese Attribute werden uns vernichten.

    Die Natur hat ihre einfachen Gesetze. Was man vergisst, das diese für alles auf dieser Erde Gültigkeit haben.

    Es ist außer Frage, dass weder Komunismus (Sozialismus)noch Kapitalismus überlebensfähige Ordnungen darstellen. Es gilt eine neue Ordnung zu finden. Dafür müssten sich allerdings noch die die Menschen ändern. Der Mensch vernichtet alles, auch sich selbst.

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