Neue IEA-Prognose drückt US-Ölpreis unter 57 Dollar
Öl: Stärkster Nachfrage-Einbruch seit 28 Jahren droht

Eine pessimistische Nachfrageprognose der Internationalen Energieagentur (IEA) hat am Donnerstag den Ölpreis belastet. Die in Paris ansässige Organisation senkte ihre weltweite Nachfrageschätzung auf ein Minus von 2,56 Mio. Barrel pro Tag von zuvor 2,4 Millionen. Das wäre der stärkste Rückgang seit 1981.

HB LONDON/FRANKFURT. Der jüngste Anstieg des Ölpreises auf ein Sechs-Monats-Hoch von 60 Dollar sei nicht von Angebot und Nachfrage getrieben gewesen, urteilte die IEA. Die fundamentalen Daten blieben schwach. Die Ölnachfrage werde in diesem Jahr so stark einbrechen wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr.

Der jüngste Anstieg des Ölpreises, der in dieser Woche erstmals seit sechs Monaten über die Markte von 60 Dollar pro Fass US-Leichtöl geklettert war, ist laut IEA nur eine temporäre Schwankung. Die fundamentalen Rahmendaten hätten sich nicht geändert, so dass nicht mit einer generellen Erholung der Ölnachfrage zu rechnen sei, erklärte die Energieagentur. Ein Fass US-Leichtöl kostete am Donnerstag 56,80 Dollar, weniger als halb so viel als beim Rekordhoch von 147 Dollar im Juli vergangenen Jahres.

Der jüngste Preisanstieg sei durch Fundamentaldaten nicht gerechtfertigt, hatte bereits gestern die Opec gewarnt, die in drei Wochen über eine weitere Kürzung ihrer Produktion beraten wird.

Analysten führen den jüngsten Aufwärtstrend beim Öl auch darauf zurück, dass Investoren auf eine Wende in der Weltwirtschaft hoffen. Manche erwarten aber eine baldige Korrektur.

In den USA waren die Lagerbestände an Rohöl in der vergangenen Woche gefallen. Die Vorräte sanken um 4,7 Millionen Barrel auf 370,6 Millionen Barrel. Die deutlichen Kursverluste an den Aktienmärkten hätten jedoch die positive Wirkung der Daten konterkariert, sagten Händler. Am Dienstag hatten noch verbesserte Konjunkturerwartungen den US-Ölpreis erstmals seit November 2008 über 60 Dollar steigen lassen.

Der Ölpreis hatte im vergangenen Sommer einen Rekordstand erreicht. Im Juli 2008 stieg er auf 147 Dollar je Barrel (159 Liter). Als in Folge der Finanzkrise große Ölverbraucherstaaten in die Rezession abrutschten, ging der Preis in den freien Fall über. Die Opec reagierte mit einer Serie von Produktionskürzungen. Die Mitglieder der Gruppe fördern rund ein Drittel des weltweit verbrauchten Öls und verfügen als einzige Produzenten über große freie Kapazitäten. Seit September reduzierten sie den Ausstoß um 4,2 Mio. Barrel am Tag. Das entspricht etwa fünf Prozent des Weltverbrauchs.

Dass der Ölpreis über 50 Dollar liege, sei mehr auf die Stimmung zurückzuführen als auf Fundamentaldaten, warnen die Opec-Ökonomen. Es gebe nach wie vor ein überschüssiges Angebot. Sie senkten ihre Schätzung für die Ölnachfrage im laufenden Jahr um 200 000 auf 84,03 Mio. Barrel am Tag. Die Internationale Energieagentur (IEA) als Vertreterin der Importeure rechnet sogar nur mit 83,4 Mio. Barrel am Tag.

Spritpreise auf Jahreshoch

Auf die Spritpreise in Deutschland hatten die jüngsten Prognosen noch keine große Auswirkung. Der Benzinpreis in Deutschland war gestern laut ADAC auf ein Jahreshoch geklettert. Derzeit kostet ein Liter Super demnach im Schnitt 1,29 Euro, das sind 2,9 Cent mehr als noch in der Vorwoche. Diesel verteuerte sich demnach um 2,1 Cent auf 1,06 Euro. Gemessen an Ölpreis und Dollarkurs sei der Kraftstoff "um einige Cent" zu teuer, monierte der Autoclub. Das letzte Jahreshoch hatte der Kraftstoffpreis vor dem verlängerten Osterwochenende erreicht. Damals kostete ein Liter Super im Schnitt 1,19 Euro, Diesel 1,00 Euro.

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