Neue Quellen steigern Angebot
Trendwende auf dem Ölmarkt

Der Ölpreis ist nach Einschätzung von Experten in einen längerfristigen Abwärtstrend eingeschwenkt. Zwar könne er im Winter kurzfristig wieder nach oben ausschlagen, aber in den kommenden beiden Jahren werde er im Durchschnitt sinken, sagen sie voraus. Maßgeblich dafür sind zwei Gründe: Die Nachfrage wächst langsamer, weil sich die Weltwirtschaft abkühlt und die Boomregion Asien auf die höheren Ölpreise reagiert. Außerdem steigt das Angebot, weil Ölfirmen weltweit neue Quellen erschließen.

LONDON. Der Ölpreis ist zuletzt bereits kräftig abgerutscht. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent ist gegenüber seinem Höhepunkt von gut 78 Dollar Anfang August bereits um 18 Dollar gefallen. Diesen steilen Rückgang erklären Experten vor allem damit, dass sich die spekulativen Einflüsse verringern. Weder der Konflikt um das Atomprogramm Irans noch der Krieg im Libanon hätten sich so zugespitzt wie befürchtet. Außerdem seien folgenschwere Hurrikane im Golf von Mexiko ausgeblieben. „Die Spekulanten haben keine Argumente mehr, ihre Positionen zu halten“, sagt Leo Drollas, Chefvolkswirt des Centre for Global Energy Studies in London. Er sieht den Preis bis Ende Oktober bröckeln.

Für die Monate danach hängt die Entwicklung davon ab, wie streng der Winter auf der nördlichen Halbkugel verläuft. Auch politische Faktoren könnten eine Rolle spielen. Adam Sieminski, Chef-Energieökonom bei der Deutschen Bank in New York, rechnet damit, dass die US-Regierung nach den Kongresswahlen die Gangart gegenüber Iran verschärft, und hält Preissprünge auf bis zu 80 Dollar für möglich.

Nach dem Winter aber, da sind sich die Experten einig, wird es mit dem Ölpreis abwärts gehen. Sieminski rechnet für 2007 mit einem durchschnittlichen Preis von 62 Dollar, der 2008 auf 55 Dollar und in den beiden folgenden Jahren auf 45 bis 50 Dollar sinkt, bevor er dann wieder zu steigen beginnt. Drollas erwartet ebenfalls 62 Dollar im kommenden Jahr und 58 Dollar für 2008.

„Der Ölpreis hat auf Sicht von vier bis fünf Jahren seinen Höhepunkt überschritten“, sagt Rakesh Shankar, Ölexperte bei Economy.com, dem volkswirtschaftlichen Think-Tank der Ratingagentur Moody’s. Er erwartet, dass sich der Ölpreis im vierten Quartal im Durchschnitt bei 65 Dollar einpendelt und dann in den Folgejahren um je zehn Dollar sinkt.

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