Neue Vorkommen entdeckt
Irak entpuppt sich als Öl-Paradies

Der Öl-Reichtum Iraks ist jahrzehntelang unterschätzt worden. Die ausländischen Konzerne, die seit der Befreiung des Landes nach Öl suchen, stoßen mit neuer Technik regelmäßig auf unerschlossene Vorkommen. Die bisherige Schätzung der Reserven wurde jetzt um mehr als 20 Prozent angehoben.
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HB BAGDAD. Der Irak hat viel größere Erdöl-Vorkommen als bislang bekannt und ist damit die viert- oder sogar zweitgrößte Ölnation - je nach Schätzung. Öl-Minister Hussein al-Schahristani sagte am Montag vor der Presse in Bagdad, auf den irakischen Öl- Feldern lagerten nach neuesten Schätzungen insgesamt mindestens 143,1 Milliarden Barrel Öl. Das sind rund 24 Prozent mehr, als man bisher vermutet hatte.

Damit überholt der Irak in der internationalen Rangfolge der Erdöl-Staaten den Iran und rückt von Platz fünf auf Platz vier auf - hinter Saudi-Arabien, Venezuela und Kanada. Die Erdöl-Reserven des Iran werden auf 137 Milliarden Barrel (je 159 Liter) geschätzt.

Berücksichtigt man nur das Öl, welches ohne aufwendige Technik gefördert werden kann, dann liegt der Irak nach diesen neuen Berechnungen sogar weltweit auf Platz zwei. Denn das in Kanada und Venezuela lagernde Öl wird zu einem großen Teil aus Ölsand gewonnen, was kostspieliger ist als die normale Ölförderung.

Nach Angaben des irakischen Öl-Ministers geht der Anstieg der bekannten Ölreserven vor allem auf Untersuchungen der internationalen Energiekonzerne zurück, die seit einigen Monaten in den großen Ölfeldern West-Al-Kurna und Al-Subair in der Nähe der Stadt Basra arbeiten.

Exxon Mobil und Shell hatten den Zuschlag für einen Teil der West-Al-Kurna-Ölvorkommen erhalten, den anderen Teil gewannen die russische Lukoil im Verbund mit der norwegischen Statoil ASA. Ein Konsortium unter der Führung des italienischen Konzerns Eni hatte im vergangenen Januar den Vertrag für Al-Subair unterschrieben.

Al-Schahristani erklärte, er wolle die neuen Daten an die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) übermitteln, die für jeden ihrer Mitgliedstaaten eine Förderquote festlegt. "Wir erwarten außerdem, dass diese Zahlen weiter steigen werden, je genauer wir die bekannten 66 Ölfelder untersuchen", sagte er.

Daten zu den Erdöl-Reserven des Irak waren in den vergangenen zwei Jahrzehnten wegen der zahlreichen Konflikte und Kriege nicht flächendeckend erhoben worden. Die meisten großen Ölfelder des Landes liegen im Süden, der vorwiegend von schiitischen Arabern bewohnt wird und wo es im Vergleich zu anderen Teilen des Landes ein weniger großes Terrorrisiko gibt. Die Öl-Industrie ist mit Abstand der wichtigste Industriezweig des Landes.

Die Förderanlagen und Raffinerien des Landes sind zum Teil marode. Die Regierung, die eine Modernisierung aus eigenen Mitteln nicht finanzieren kann, hat deshalb in den vergangenen Jahren Verträge mit mehreren ausländischen Ölkonzernen abgeschlossen.

Kommentare zu " Neue Vorkommen entdeckt: Irak entpuppt sich als Öl-Paradies"

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  • zu Jonas,

    ja, es ein starkes Stück wie man verarscht wird, auch vom Handelsblatt.
    ich koche vor Wut wenn ich die Merkel und den zu Guttenberg sehe wie sie uns bewusst anlügen.
    ich wusste es schon als Hussein das Land noch zusammenhielt. Mag er noch so grausam gewesen sein, (grausamer als die Amerikaner war er bestimmt nicht)
    gab den Amis noch lange kein Rcht das Land anzugreifen.
    Es ging und geht nur um die bodenschätze, gleiches in Afganistan.
    Warum kann man es nicht friedlich fördern?

  • "seit der befreiung"

    Wann kommt die ?

    Derzeit ist es ein wegen der leichteren und gewinnträchtigeren Ausbeutung des Öls besetztes von fremden Mächten erobertes Land in dem man sich eine ganze bevölkerung zum Feind gemacht hat.

    Frei ist das Land wohl erst, wenn der letzte Tropfen Öl aus dem boden gepresst wurde, also verlängern die neuen Funde die Qual des Landes sicher noch um Jahrzehnte.


    Aber wir brauchen mehr desinformierenden Hurrajournalismus, schliesslich sind wir selbst noch amerikanisch besetzt, zumindest in den Köpfen der vorauseilend Gehorsamen.

  • Na da haben sich doch die Tausende von Toten gelohnt.

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