Neuer Höchststand
Euro holt zum Dollar weiter auf

Der Euro wird international immer stärker genutzt und nimmt dadurch dem Dollar Marktanteile ab. Dies zeigt der achte Bericht zur internationalen Rolle des Euro, den die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch veröffentlicht hat.

FRANKFURT. Derzeit wird international ungewöhnlich viel und offen über die Rolle des Dollars als Leitwährung diskutiert. Vor allem China und andere Schwellenländer haben sich für ein weniger stark vom Dollar dominiertes Weltwährungssystem ausgesprochen und bereits erste Schritte unternommen, um sich etwas unabhängiger von der US-Währung zu machen.

Der Anteil des Euros am Volumen der ausstehenden Anleihen stieg gegenüber dem Vorjahr um gut einen Prozentpunkt auf etwas mehr als 30 Prozent, den höchsten Wert seit Gründung der Währungsunion und fast zehn Prozentpunkte höher als 1999. Auch bei der grenzüberschreitenden Kreditvergabe erreichte der Anteil des Euros mit 22,3 Prozent bei den Krediten einen neuen Höchstwert, gut acht Punkte höher als 1999. Dasselbe gilt für seinen Anteil an den Währungsreserven, der von 17,9 auf 26,4 Prozent gestiegen ist. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass einige wichtige Länder, insbesondere China, die Zusammensetzung ihrer Währungsreserven nicht offenlegen.

Die EZB selbst spielt den Bedeutungsgewinn des Euros eher herunter und spricht von einer erstaunlichen Stabilität im Währungsgefüge in Anbetracht der schweren Verwerfungen auf den Finanzmärkten. Ihr Urteil, dass die internationale Verwendung des Euros über Jahre hinweg weitgehend stabil geblieben sei, stützt die EZB auf einen Vergleich der Währungsanteile zu konstanten Wechselkursen. Dabei wird der Einfluss von Wechselkursänderungen herausgerechnet, indem die Euro-Bestände früherer Jahr nicht mit dem damaligen Kurs, sondern mit dem von 2008 in Dollar umgerechnet werden.

Beim derzeitigen Kurs von rund 1,40 Dollar erscheint der Anteil des Euros im Jahr 2000 deutlich höher, als er es beim damaligen Kurs von unter einem Dollar tatsächlich war. Entsprechend geringer wird der ausgewiesene Anstieg seither. Dieses Verfahren ist nach Ansicht von Experten sinnvoll, um kurzfristige Veränderungen zu analysieren, aber nicht für Vergleiche über viele Jahr. "Für langfristige Vergleiche kommt es auf die Bestände zu aktuellen Wechselkursen an", sagt Stefan Gerlach, Professor für monetäre Ökonomie an der Goethe-Universität Frankfurt.

Die Zugewinne des Euros in den verschiedenen Nutzungskategorien gingen nur zu etwa einem Drittel zu Lasten des nach wie vor mit großem Abstand dominierenden Dollars, der Großteil ging zu Lasten anderer Währungen wie Yen und Pfund.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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