Neuer Rekordstand
Ende der Öl-Rekordjagd nicht in Sicht

Neue Rekordstände beim „schwarzen Gold“: US-Leichtöl der Sorte Sweet Light Crude ist zurzeit teurer als im August 2005, als der Hurrikan „Katrina“ die Preise in die Höhe trieb. Internationale Marktbeobachter rechnen mit einem weiteren Preisanstieg.

HB SINGAPUR. Der Preis für ein Barrel amerikanisches Leichtöl erreichte am Dienstag im Handelsverlauf 70,88 Dollar. Hauptursache für den Ölpreisanstieg ist nach Ansicht der meisten Marktbeobachter der eskalierende Streit um das iranische Atomprogramm. Iran ist der viertgrößte Ölproduzent der Erde. Andere Experten sehen aber auch Spekulanten am Werk.

Getrieben wird der Preis zudem von der anhaltenden Gewalt in Nigeria - dem zwölftgrößten Ölproduzenten - sowie der Sorge vor Engpässen in den USA. Hinzu kommt der nicht zu stillende Öldurst in den boomenden asiatischen Volkswirtschaften wie China, dessen Wirtschaftsleistung im ersten Quartal nach neuesten Angaben um weitere 10,2 Prozent zugelegt hat.

Der bisherige Höchstpreis von 70,85 Dollar war am 30. August 2005 erreicht worden, nachdem der Hurrikan „Katrina“ an der US-Golfküste schwere Schäden angerichtet hatte. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg am Dienstag um 69 Cents auf den Rekordstand 72,15 Dollar.

Internationale Marktbeobachter rechnen mit einem weiteren Preisanstieg, so lange die politischen Unsicherheiten in Iran und Nigeria andauerten. „Das Thema Iran ist die wichtigste Triebkraft. Aber die zu Grunde liegende Ursache ist die nach wie vor hohe weltweite Nachfrage“, erklärte der Ölexperte Tobin Gorey von der in Sydney ansässigen Commonwealth Bank of Australia.

Eine zunehmende Nervosität der Märkte stellte der Analyst Tetsu Emori von Mitsui Bussan Futures in Tokio fest. Er verwies auch auf die sinkenden Benzin-Lagerbestände in den USA vor Beginn der sommerlichen Hauptreisesaison. „Wir werden mehr Rohöl brauchen, um Benzin zu produzieren.“ Allerdings seien die Raffineriekapazitäten in den USA begrenzt.

Auch der Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) führt das Rekordniveau beim Rohölpreis auf die internationalen politischen Spannungen zurück. Es gebe Sorgen über mögliche Lieferengpässe vor allem wegen des Streits um das iranische Atomprogramm und die anhaltenden Unruhen in Nigeria, sagte die Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), Barbara Meyer-Bukow, am Dienstag in Hamburg der Nachrichtenagentur AP.

Der hohe Benzinpreis sei auch auf die steigende Sprit-Nachfrage aus den USA zurückzuführen. Dort habe die Fahrsaison begonnen, sagte Meyer-Bukow. Die USA kauften darum auch fertiges Benzin in Europa.

Der Rekord-Ölpreis sei durch Sondereffekte zu Stande gekommen, sagte der Konjunkturexperte des Münchner ifo-Instituts, Gernot Nerb, mit Blick auf die Ölproduzenten Iran und Nigeria. „Der Preis ist spekulativ überhöht.“ Beruhige sich die politische Situation in diesen Ländern, sei auch ein Rückgang des Ölpreises zu erwarten, sagte der Konjunkturexperte.

Frankreich will unterdessen auf dem bevorstehenden G-8-Treffen die Ölförderländer zu einer Erhöhung der Fördermenge aufrufen, um dem Preisanstieg zu begegnen. Finanzministers Thierry Breton sagte am Dienstag: „Ich habe zusammen mit meinem britischen Kollegen Gordon Brown den Auftrag, auf die Erzeugerländer zuzugehen, damit die Produktion in normaler Art hochgefahren wird und wir einen kleinen Puffer erhalten, um die Spekulationsfolgen zu begrenzen.“

Die Vertreter der Gruppe der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G-8) treffen sich am Wochenende in Washington. Neben Frankreich, Großbritannien und Russland gehören der Gruppe auch Deutschland, die USA, Japan, Kanada und Italien an.

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