Neues Rekordhoch
„Alles spricht für den Euro“

Die Angst vor einem Übergreifen der Immobilienkrise auf die gesamte US-Wirtschaft hat den Dollar am Dienstag deutlich geschwächt. Der Euro wurde dagegen von der Aussicht auf weiter steigende Zinsen in der Eurozone gestützt.

HB FRANKFURT. In der Spitze kletterte der Euro bis auf 1,3851 US- Dollar. Dies ist der höchste Stand seit der Euro-Einführung vor achteinhalb Jahren. Die alte Höchstmarke von 1,3845 Dollar wurde damit leicht übertroffen. Am späten Nachmittag kostete der Euro noch 1,3832 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,3833 (Montag: 1,3821) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7229 (0,7235) Euro.

„Die EZB wird angesichts der relativ guten Konjunkturdaten aus der Eurozone auf Zinserhöhungskurs bleiben“, sagte Ökonom Thomas Amend von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die jüngsten Daten sprächen für ein weiterhin robustes Wachstum. Nach dem schwächeren zweiten Quartal dürfte das Wachstum im zweiten Halbjahr wieder kräftiger zulegen. Dies unterstütze die Zinserhöhungsneigung der EZB. Gleichzeitig dürfte die US-Notenbank angesichts der Unsicherheiten am US-Immobilienmarkt vorerst stillhalten und den Leitzins nicht verändern. „Das alles spricht für den Euro“, sagte Amend, der dem Euro noch in der laufenden Woche den Sprung über die Marke von 1,40 Dollar zutraut.

„Die schwelende Krise im Kreditsektor der USA ist eigentlich das einzige Thema am Markt und belastet den Dollar deutlich“, sagte Analyst Ralf Umlauf von der Helaba. „Der Preisverfall der Immobilienwerte hat den Amerikanern zwar schon einen gewissen Vermögensverlust beschert, das wurde aber bisher von den Aktienmärkten abgefedert“, sagte ein Händler. „Allmählich macht sich aber ein Breiteneffekt bemerkbar. Leute, die ihre Kredite nicht zurückzahlen, werden mit Sicherheit auch keine Fernseher oder Autos kaufen.“ Es gebe Befürchtungen, die US-Wirtschaft könnte doch eine harte Landung erleben.

Die steigende Nervosität trieb Anleger auch dazu, sich von riskanten, so genannten Carry Trades zu trennen. Der Yen gewann daraufhin an Boden: Der Dollar fiel bis auf 120,42 Yen und war damit so günstig wie seit Mitte Mai nicht mehr. Bei Carry Trades nehmen Investoren Kredite in niedrig verzinsten Währungen wie dem Yen auf und investieren in höher verzinste Anlagen.

EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark zeigte sich unterdessen in einem Interview der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ ausgesprochen gelassen über den Höhenflug des Euro. Der starke Euro sei auf lange Sicht kein Nachteil für die europäische Wirtschaft. „Die Exporteure des Euro-Raums haben bisher nicht unter dem starken Euro gelitten“, sagte Stark. Kontinental-Europa habe seine langjährige Wachstumsschwäche überwunden, die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten wachse gleichzeitig langsamer. „Das drückt sich auch in den Wechselkursen aus.“

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,67070 (0,67155) britische Pfund, 167,22 (167,58) japanische Yen und auf 1,6645 (1,6633) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 684,30 (682,00) Dollar gefixt. Der Kilobarren kostete 15 890 (15 920) Euro.

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