Neues Rekordhoch
Euro knackt 1,60-Marke

Während die US-Notenbank Fed im Zuge der Finanzkrise bereits mehrfach den Leitzins gesenkt hat, vertraten europäische Notenbanken bisher eher eine Politik der „ruhigen Hand“. Nun mehren sich im Euroraum jedoch Stimmen, die von einer Zinserhöhung sprechen. Dies beeinflusste einmal mehr den Euro-Kurs – und ließ diesen wieder auf Rekordjagd gehen.

FRANKFURT. Zinserhöhungsdrohungen europäischer Notenbanker haben den Euro am Dienstag erstmals über die Marke von 1,60 Dollar getrieben. Der französische Notenbankchef Christian Noyer sagte in einem Radiointerview: „Unser großes Problem ist es, zu gewährleisten, dass die Inflation im nächsten Jahr wieder unter zwei Prozent fällt. Wir werden tun, was auch immer dafür nötig ist. Notfalls werden wir die Zinsen ändern.“ Ähnlich hatte sich auch Bundesbankchef Axel Weber geäußert.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) wird dagegen nach Einschätzung der Finanzmärkte ihren Leitzins in der kommenden Woche wohl ein weiteres Mal, dann vermutlich auf zwei Prozent, senken. Seit Ausbruch der Finanzkrise hat die Fed ihren Leitzins insgesamt um drei Prozentpunkte gesenkt. Die EZB ließ den Leitzins des Euro-Raums dagegen seit Juni 2007 unverändert bei vier Prozent. Aufgrund von Noyers verbaler Intervention dehnte sich der Zinsabstand am Kapitalmarkt zwischen dem Euro-Raum und den USA weiter aus. Allein in den letzten sechs Handelstagen ist die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen um einen viertel Prozentpunkt auf 4,15 Prozent gestiegen, diejenige zweijähriger Papiere sogar um einen halben Prozentpunkt auf 3,81 Prozent. Dies zeigt, dass die EZB-Vertreter mit ihren Absichtserklärungen den Markt überzeugt haben, dass in diesem Jahr nicht mehr mit einer Zinssenkung zu rechnen ist. Die Zinserhöhungsrhetorik nehmen die Marktteilnehmer allerdings nicht ernst.

Steigende Euro-Zinsen machen Anlagen in Europa für Investoren interessanter und stützen daher den Euro. Auch gegenüber dem Yen legte die Gemeinschaftswährung gestern kräftig zu und stieg mit rund 165 Yen je Euro auf den höchsten Stand seit Dezember.

Auch der Ölpreis zog am Dienstag, angetrieben vom schwachen Dollar, auf ein neues Rekordhoch an. In New York stieg der Preis für ein Fass der Referenzsorte WTI um gut zwei Dollar bis knapp an die Marke von 120 Dollar. Durch den Fall der US-Währung werden Ölimporte für Anleger aus anderen Währungsgebieten günstiger, was deren Nachfrage und damit auch den Ölpreis treibt. Händlern zufolge reagierte der Ölpreis aber auch auf politische Unruhen im Ölförderland Nigeria.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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