Niedergang des Dollars
Weltwährung im Reißwolf

Die Welt war lange Zeit vom US-Dollar abhängig – und damit von der Geldpolitik der US-Notenbank. Das wird sich ändern. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis der Dollar seine dominierende Rolle in der Welt verliert .
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FrankfurtDer Dollar ist die Leitwährung der Welt. Die US-Währung wird in beinahe jedem Winkel der Erde als Zahlungsmittel akzeptiert. Die Zentralbanken sitzen auf riesigen Dollar-Reserven. Rohstoffe werden in der US-Währung abgerechnet. Doch wie lange bleibt das noch so?

Der Nimbus des Dollars bröckelt. Seine Rolle als weltweite Reservewährung habe seit den späten 90er Jahren stetig abgenommen, heißt es in einer aktuellen Studie der Weltbank. Bis zum Jahr 2025 dürfte sich das globale Währungsgefüge noch stärker verändert haben. Es gebe dann wahrscheinlich nicht länger eine einzige Leitwährung, sondern mehrere Weltwährungen, meinen die Ökonomen der Weltbank.

Für den Niedergang auf Raten gibt es handfeste Gründe: Schulden und niedrige Zinsen lasten auf der Leitwährung. Die US-Wirtschaft ist schwer angeschlagen. Die Finanzkrise kommt die Amerikaner teuer zu stehen. Das ohnehin riesige Haushaltsdefizit wächst immer weiter. Amerika ist eine Supermacht der Schulden: Nach offiziellen Angaben ist der Schuldenberg bereits auf 14,3 Billionen Dollar (rund 10,1 Billionen Euro) angewachsen. An den Märkten machen Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA die Runde. Die Ratingagentur S&P hat angedroht, die Top-Bonitätsnote zu entziehen. Sollten die USA ihre Schulden tatsächlich nicht mehr bedienen können, drohten „katastrophale wirtschaftliche Konsequenzen“, sagt sogar US-Finanzminister Timothy Geithner.

In den letzten zehn Jahren hat der Dollar gegenüber fast allen wichtigen Währungen der Welt an Wert verloren. Allein in diesem Jahr hat die US-Währung gegen den Euro 6,3 Prozent, gegen den Schweizer Franken 6 Prozent, gegen den brasilianischen Real 3,2 Prozent und gegen den russischen Rubel sogar neun Prozent verloren. Die Schwäche des Dollars ist für den Rest der Welt ein Problem.

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  • Um die exponierte Stellung einer Leitwährung im internationalen Weltwährungssystem verstehen zu können, bedarf es folgender Erläuterungen: 1. Eine Leitwährung übt für alle übrigen Währungen quasi die Funktion einer Weltzentralbank aus. Der Dollar war bis Ende der 60-iger Jahre eine Gäubigerwährung und es bestand bis 1971 ein Festkurssystem aller Wchselkurse, dass hin und wieder angepasst wurde. Der Dollar fungierte als Reserve-und Anlagewährung und alle Handelsgeschäfte wurden in Dollar abgerechnet. Durch die hohen Kosten des Vietnamkrieges wurden die USA zu einer Schuldnernation. Als das Bretton Woods-System 71 zuzammenbrach (nicht ganz unbeteiligt dabei war der damalige Kanzler Helmut Schmidt), weil die neuen aufstrebenden Wirtschaftsnationen Deutschland und Japan mit ihren permanenten Exportüberschüssen nicht mehr bereit waren den krass überbewerteten Dollar zu akzeptieren und nach einer Marktlösung strebten. So wurden aus festen Wechselkursen flexible Wechselkurse. Das Zeitalter der Deregulierung begann. In Europa hingegen strebte man wieder zu festen Wechselkursen und es entstand das EWS, sozusagen der Vorgänger des Euro. (Alerdings mit der Möglichkeit bei Bedarf die Wechselkurse anzupassen) Es bildete sich in Europa langsam ein Gegengewicht zum Dollar heraus. Die harte DM. In Asien etablierte sich den japanische Yen. Der Glaube, dass extreme Ungleichgewichte in den Handels-und Leistungsbilanzen der Länder bei flexiblen Wechselkursen nicht mehr entstehen würden, wurde schnell durch die Realität erschüttert. Deutschland und Japan türmten immer mehr Devisenreserven in den Kellern ihrer Zentralbanken auf, um ihre Währungen nicht aufwerten zu müssen. Ein Mittel dazu war die Offenmarktpolitik. China fährt heute eine ähnliche Strategie. Sie kaufen sich mit den aus hohen Exportüberschüssen erzielten Dollars US-Anleihen und finanzieren so den Konsum der USA. Diese Art des Wirtschaftens hat den Dollar jetzt dorthin gebracht, wo er heute steht. Am Abgrund.

  • Lenin nannte das internationale Weltwährungssystem (oder besser "Nicht-System) einmal die Achillesferse des Kapitalismus. Schaut man sich das Leitwährungsland USA mit seinem schwächelnden Dollar an, so besteht in der Tat Grund zur Sorge. Die USA als Wirtschaftsmacht Nr.1 sind auf dem unaufhaltsamen Abstieg. Eigentlich hat dieser Prozess bereits mit der Beendigung des Bretton Woods -Festkurssystems begonnen. Die USA sind in einem halben Jahrhundert vom größten Gläubiger zum größten Schuldner der Welt aufgestiegen. Die Rolle als Leitwährung brachte den USA lange einige Vorteile ein. So kann ein Leitwährungslsnf sein Leistungsbilanzdefizit in seinem eigenen Gelde finanzieren, oder sich durch seine selbst gewählte Inflations- und Abwertungsrate seiner Währung sich selbst entschulden. Fakt ist, dass wir auf der Welt schon eine geraume Zeit einen sogenanten Multiwährungsstandard haben, mit dem Dollar, dem Euro, dem Yen, dem Yuan. Welche Währung die neue starke Leitwährung einmal sein wird, ist noch offen. Ich habe lange auf den Euro getippt. Doch der ist gerade selbst in der Krise.

  • 39 Prozent aller Devisentransaktionen entfielen im vergangenen Jahr auf den Euro, halb so viel wie auf den Dollar???
    Verstehe nur ich diese Rechnung nicht?

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