Niedrige Zinsen Der Markt kauft Draghi alles ab

Die Zinsen werden bis 2016 niedrig bleiben, verkündete der Notenbankchef der Bank of England. Doch der Markt glaubt ihm nicht. Die Wetten am Devisenmarkt zeigen: Draghis Versprechen wiegt deutlich mehr.
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Europas Wirtschaftslage verhilft Mario Draghi zu mehr Glaubwürdigkeit. Quelle: Reuters

Europas Wirtschaftslage verhilft Mario Draghi zu mehr Glaubwürdigkeit.

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FrankfurtEZB-Präsident Mario Draghi hat mehr Erfolg als sein britischer Amtskollege, die Investoren zu überzeugen, dass die Zinsen auf Rekordtiefs bleiben werden.

In der vergangenen Woche haben Händler Spekulationen, dass die Zinsen im Euroraum langsamer steigen werden als in Großbritannien, so stark erhöht wie seit einem Jahr nicht mehr, wie aus Terminkontrakten hervorgeht. Das spiegelt Erwartungen von Investoren wieder, dass die niedrigen Fremdkapitalkosten ein entscheidender Faktor für die Erholung des Euroraums von der Rezession sein wird. Die Aussichten, dass die Federal Reserve die Stützungsmaßnahmen zurückfährt, treiben weltweit die Bondrenditen nach oben, wobei die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen sich in Relation zu den entsprechenden britischen Renditen auf dem tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren befinden.

„Die Lage in Europa macht es der Zentralbank leichter, Investoren zu überzeugen, dass die Politik noch einige Zeit beibehalten wird”, sagt John Stopford, Leiter Festverzinsliche bei Investec Asset Management. „Es gibt immer noch Zweifel, ob das von uns zu beobachtende Wachstum mehr als eine Stabilisierung ist. Bei der EZB ist eine klarere Tendenz zu einer unveränderten oder lockereren Politik auszumachen.”

Die implizite Rendite für Euribor-Kontrakte mit Laufzeit bis September 2015, ein Indikator für den Ausblick der Drei- Monats-Geldmarktsätze, ist in der vergangenen Woche um 13 Basispunkte auf 0,91 Prozent gestiegen. Der Satz für entsprechende britische Sterling-Kontrakte ist um 28 Basispunkte auf 1,33 Prozent geklettert, womit sich die Differenz zwischen den beiden Kontrakten um 15 Basispunkte ausgeweitet hat, der größte Wochenanstieg seit Mai 2012.

Der Renditeaufschlag von zehnjährigen britischen Gilts gegenüber deutschen Bundesanleihen vergleichbarer Laufzeit liegt bei 82 Basispunkten, dem höchsten Wert seit Juni 2010 auf der Basis von Schlusskursen.

Zwar hat der britische Notenbankgouverneur Mark Carney gesagt, er gehe nicht davon aus, dass die Bank of England die Zinsen vor frühestens 2016 erhöhen werde. Jedoch haben die Anzeichen konjunktureller Stärke und die Uneinigkeit der Mitglieder der geldpolitischen Ausschusses der BoE bezüglich des Inflationsausblicks Spekulationen angeheizt, dass der britische Notenbankchef früher handeln werde. Der EZB-Rat hat den Hauptrefinanzierungssatz im Mai auf ein Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt, was die britischen Kollegen bereits im März 2009 getan hatten.

„Europas Wirtschaft hinkt noch hinterher“
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11 Kommentare zu "Niedrige Zinsen: Der Markt kauft Draghi alles ab"

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  • quatsch, Draghi spielt Merkel in die Karten.
    mit den Goldmännern hat das gar nicht zu tun.

    Draghi macht die Drecksarbeit und unsere saubere Mutti kann sich so tun, als ob sie sich aufregt und Deutsche Interessen vertritt.

    Ganz einfaches Spiel ist das. Showbusiness

  • @Otternase schlechte Zeiten bald auch für Sie, mich und alle anderen. Wer genug Sachverstand besitzt und alle Fakten kennt, der weis was auf Deutschland und die gesamte Welt zukommt. Das hat wohl rein gar nichts mit irgendeiner Partei in Deutschland zu tun. Sie können wählen was Sie wollen, aber der ökonomischen und finanziellen Katastrophe wird weltweit niemand entfliehen können, wenn diese offen zu Tage tritt.

    Ich habe früher das System immer mit getragen und man hat persönlich viel negatives was man erfahren ingnoriert. Nun ist die Zeit gekommen, wo viele Menschen auch in meinem Umfeld langsam aufwachen. Auch die AfD wird den Crash nicht verhindern können, Sie legt halt einige Probleme offen und leider spricht Sie nicht alle an. Trotzdem werde ich Sie wählen, um den Blockparteien meinen persönlichen Denkzettel zu verpassen.

  • Draghi ist als Ex-Goldmann-Sachs Banker in erster Linie
    den Goldmännern verpflichtet....

  • Wie lange will der Draghi eigentlich noch die Zockerbanken aufpäppeln? Wann ist den wieder Europawahl?

  • Das Problem haben Sie anscheind nicht verstanden. Ich behaupte JEDER in der AFD glaubt Draghi wenn er sagt: die Zinsen bleiben niedrig. Das ist ja genau eines der Probleme, die die AFD beseitigen will: Faktischen bräuchte die Eurozone höhere Zinsen. Deutschland sowieso und Griechenland, die eigentlich 2 Stellige Zinsen zahlen müssten bräuchten das auch, damit ihnen wieder jemand auf dem Kapitalmarkt Geld leiht. Zu den Konditionen geben nur Wahnsinnige oder Leute denen es nichts kostet Griechenland noch Kredite. Kosten tut es nur der EZB nichts wenn sie aufkauft, Geld drucken kann sie ja, der defintiv eintretende Verlust fällt dann auf die Minderheiten die im EZB-Rat nichts zu sagen haben. Dummerweise ist das Deutschland zu 27%+27%des Ausfalllandes.
    Wir machen uns hier immer mehr erpressbar, da wir tönen: Ein Euroaustritt darf es nicht geben. Herr Springer von der Bundesbank ist deswegen zurückgetrehten und sein Nachfolger steht alleine auf weitere Flur da.
    Ein Euroaustritt sollte zwar eine der letzten Optionen sein, man darf es aber defitniv nicht ausschließen.


  • Wir sind dabei unsere Goldgewinne zu überschlagen und mit Käufen weiter zu mehren. "Krippensetzer" mit ihrer Facon kaufen Draghi halt alles ab.

  • Ich weiß nicht was die AFD damit zu tun hat.?
    Den Kurs den Draghi "fährt" kann auf Dauer nicht gut sein.
    Man denkt nur an das eingen Ersparte. Da können die Kreditzinsen noch so attraktiv sein. Das alles wiegt den Verlust vom Ersparten nicht auf!!
    Josef.K

  • Kaum zu glauben: ein Draghi-freundlicher Artikel, und auch eine Stunde später sind noch keine Hundert Kommentare im Thread, wie schlecht der Euro ist, und dass die Welt, nein, das Universum am Euro zugrunde gehen wird?

    Die Zeiten ändern sich ... schlechte Karten für die AfD. Und das ist gut so. ;-)

  • der ist bestimmt auch ein prima Poker Spieler.

    Ein guter Bluff ist alles...

  • Der Markt? Mag sein!
    Aber ich als Europa-Bürger und Wähler kaufe ihm absolut nichts mehr ab. Mal schauen, wer da am längeren Hebel sitzt!

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