Niedrigere Preise
Coltan-Boom flaut ab

Die Stichwahl um das Präsidentenamt im Kongo hat das Augenmerk der Welt erneut auf einen Rohstoff gelenkt, der zeitweise großen Anteil an dem Bürgerkrieg dort hatte: Columbit-Tantalit. Weit bekannter ist der Rohstoff indes unter dem Begriff Coltan.

KAPSTADT. Dabei handelt es sich um ein anthrazitfarbenes Erz, das aus dem Fels geschlagen oder aus dem Sediment der Flüsse gewaschen wird. In einem aufwendigen chemischen Prozess werden daraus anschließend die beiden seltenen Metalle Niob und Tantal herausgetrennt. Das machen weltweit nur wenige Unternehmen, darunter die amerikanische Cabot, Daewoo Electronic Components aber auch die zum Bayer-Konzern gehörige H.C. Starck in Goslar.

Die Elektronikindustrie ist mit 55 Prozent der mit Abstand größte Abnehmer von Tantal. Dahinter rangieren die Raumfahrt (20 Prozent), die Metallindustrie und die Spezialitäten-Chemie. Der Grund für seine Popularität liegt darin, dass Tantal ein extrem leitfähiges und hitzebeständiges Metall ist. Die aus ihm hergestellten Kondensatoren werden vor allem für die Herstellung von Handys, Videokameras, Playstations, Servern sowie Laptops verwendet.

Seine elektrische Leitfähigkeit ist indes nur eines der Qualitätsmerkmale von Tantal. Dank des hohen Schmelzpunktes von fast 3 000 Grad Celsius und seiner Resistenz gegen Rost wird Tantal auch als Legierung für die Produktion von Düsenmotoren für Flugzeuge, von Turbinen für Kraftwerke und zur Härtung von Weltraumkapseln eingesetzt. Das amerikanische Verteidigungsministerium erklärte Tantal bereits vor 30 Jahren zum strategischen Rohstoff und steigerte damit noch seinen Wert. Doch erst der Handyboom und die starke Expansion der Kommunikationsbranche zur Jahrtausendwende machten es zeitweise so teuer, dass Coltan zur Triebfeder des Bürgerkriegs im Kongo wurde. Denn noch 1999 kosteten 500 Gramm Coltan nur ca. 30 Dollar, knapp zwei Jahre später waren es zeitweise über 400 Dollar.

Seit 2000 wächst die Nachfrage nach Tantal zudem um sechs Prozent pro Jahr. Die Reserven sollten noch immerhin 125 Jahre reichen. Allein auf den Kongo entfällt davon ein Anteil von etwa 50 Prozent, wobei das Metall relativ einfach und kostengünstig im Tagebau gewonnen wird. Der Nachteil: Auch die Rebellengruppen haben Zugang zu den Vorkommen.

Mittlerweile ist die Coltan-Euphorie aber wieder etwas verflogen und viele der illegalen Schürfer sind abgezogen. Denn nach dem Platzen der Techno-Blase sind die Preise dramatisch gefallen. Dazu beigetragen hat auch u.a. das erfolgreiche Recycling von Laptops und Handys und das dabei gewonnene Tantal. Die Folge davon war ein Preiseinbruch bis auf rund 30 Dollar. Inzwischen haben sich die Preise wieder mehr als verdreifacht, sind aber noch weit von den alten Höchstständen zur Jahrtausendwende entfernt.

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