Nigeria, Saudi-Arabien, Russland: Der unklare Kampf gegen die Ölschwemme

Nigeria, Saudi-Arabien, Russland
Der unklare Kampf gegen die Ölschwemme

Einige Ölstaaten hatten angekündigt, die Produktion angesichts gefallener Preise nicht auszuweiten. Doch die Übereinkunft ist noch nicht umgesetzt – und ihre Wirkung unklar. Dabei ist der niedrige Ölpreis „ein Fluch“.

FrankfurtNigeria zeigt sich geneigt, sich einer von Russland und Saudi-Arabien angestoßenen Initiative anzuschließen. Der afrikanische Ölexporteur begrüßt den Vorstoß der Länder, die Produktion auf dem Niveau von Januar einzufrieren. Gleichzeitig ist Nigeria offenbar bereit, Ausnahmen für Irak und Iran zu akzeptieren.

„Länder wie Iran und Irak waren eine Weile aus dem Markt und wenn sie jetzt zurückkommen, sollte man ihre Produktion nicht auf dem jetzigen Niveau einfrieren – und wenn, dann nur auf einem höheren Level“, so der nigerianische Ölminister Emmanuel Kachikwu am Sonntag im katarischen Doha.

Russland und Saudi-Arabien hatten gemeinsam mit Venezuela und Katar die Produktionsbegrenzung Anfang der Woche beschlossen – vorbehaltlich einer Zustimmung weiterer Länder. Nigeria zeigt jetzt, dass Interesse daran auch jenseits dieser Vierer-Allianz besteht. Alle Ölförderer kämpfen mit den teilweise drastischen Folgen eines rasant gefallenen Ölpreises. Staatshaushalte sind deswegen gefährdet und Verkäufe von Staatsunternehmen auf die Agenda gesetzt.

Iran und Irak jedoch wollen nach Sanktionen und Kriegsfolgen die Produktion weiter hochfahren. Daher bleiben auch Zweifel, ob die Produktionsbegrenzung tatsächlich den Ölpreis stabilisieren kann. Die größte Bank Abu Dhabis prognostiziert sogar noch einen möglichen Preisrutsch auf 20 Dollar je Fass von derzeit etwa 30 Dollar. Der Preis dürfte für den global bestimmenden Preis der Sorte WTI bis Jahresende zwischen 25 und 45 Dollar schwanken. Vor anderthalb Wochen hatte die Hoffnung auf eine Kürzung der globalen Ölproduktion kurzzeitig zu einem Preissprung geführt, doch die vier Staaten konnten sich dann lediglich auf ein Einfrieren der Förderquoten einigen.

Der Versicherungskonzern Münchener Rück, einer der größten Anleger an den internationalen Finanzmärkten, sieht den Preisverfall beim Öl kritisch. „Bislang war das billige Öl immer ein Segen, weil es den Unternehmen Kosten erspart und den Verbrauchern Geld für den Konsum gebracht hat“, sagte der Chefökonom der weltgrößten Rückversicherung, Michael Menhart, dem „Tagesspiegel“ (Montagausgabe). „Aber inzwischen ist es eher ein Fluch, die Risiken überwiegen“, warnte er. „Als Ökonom wünsche ich mir daher, dass der Ölpreis etwas steigt.“

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Ziel: nicht mehr als 1,3 Millionen Barrel pro Tag

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