Norwegen und der Ölpreis
„Das wird ein bisschen wie bei Gerhard Schröder“

In Norwegen hat der Ölpreisverfall 30.000 Jobs gekostet. An einem Förderkartell will sich das Land nicht beteiligen, sondern die eigene Branche umbauen. Anita Krohn Traaseths Job ist es, diesen Umbau zu vermarkten.
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HamburgAm Sonntag trifft sich das Ölkartell der Opec gemeinsam mit anderen großen Ölförderstaaten wie Russland, um über eine Obergrenze der Produktion zu verhandeln. Nicht dabei ist allerdings Norwegen. Eine Einladung des katarischen Ölministers hat sein norwegischer Kollege Tord Lien nicht angenommen. Dabei ist das Land selbst schwer vom Preisverfall des Rohstoffs betroffen – seit Juni 2014 fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) Brent von 115 Dollar auf aktuell knapp über 44 Dollar. 30.000 von ehemals 300.000 Jobs im Öl- und Gassektor sind in Norwegen bereits verschwunden. Und es sollen noch mehr werden.

Als Chefin von Innovation Norway will Anita Krohn Traaseth unter dem Schlagwort „Omstilling“ – zu Deutsch: Umstellung – Ideen entfachen, um die norwegische Wirtschaft endlich zu diversifizieren. Innovation Norway ist ein staatliche Gesellschaft, die für die gesamte Wirtschaftsförderung zuständig ist – eine Art Industrie-, Handels- und Außenhandelskammer in einem.

Frau Traaseth, der Zentralbankchef Norwegens ist offenbar ein Game of Thrones-Fan. Unlängst münzte er einen Leitspruch der Serie auf Norwegen um. „Hinter uns liegt ein ungewöhnlicher langer Sommer. Doch der Winter naht.“ Hat er Recht?
Absolut. Die Norweger haben viel zu spät angefangen, ihre Wirtschaft ernsthaft umzubauen. Viele Jahre lang hat uns das Ölgeschäft Reichtum beschert. Doch der Ölpreisverfall seit Mitte 2014 um mehr als zwei Drittel auf zeitweise unter 30 Dollar je Barrel, hat uns gezeigt, welche Risiken es hat, sich auf nur eine Reichtumsquelle zu verlassen.

In der Serie heißt es außerdem, dass es der wahrscheinlich längste Winter der Geschichte wird. Droht Norwegen das gleiche Schicksal?
Nein, das glaube ich nicht. Es wird sicher eine Weile dauern, bis wir unsere Wirtschaft auf mehrere gleichwertige Tragsäulen aufgebaut haben. Und vielen Menschen wird das auch wehtun. Einige Ingenieure, die ihren Job verloren haben, werden künftig sicher nicht mehr so viel verdienen, wie in der Ölbranche. Wir alle müssen uns an ein niedrigeres Lohnniveau gewöhnen. Und auch die Arbeitslosigkeit wird künftig höher sein. Trotzdem liegt die aktuell bei 4,6 Prozent im europäischen Vergleich noch äußerst niedrig. Der EU-Durchschnitt liegt bei knapp zehn Prozent.

Wo wird es denn besonders wehtun?
Es ist gut möglich, dass wir uns künftig bei den Vorzügen unseres Wohlfahrtsstaates völlig neu denken müssen, beispielsweise bei Renten. Es wird sicherlich einige Menschen schmerzen, wenn man Ihnen Privilegien wegnimmt, die sie jahrelang genießen konnten. Das wird vielleicht so ein bisschen wie mit der Agenda 2010 von Bundeskanzler Gerhard Schröder: Die hat manchen mehr wehgetan als anderen, der gesamten Volkswirtschaft aber hat sie geholfen.

Norwegen ist bekannt für Öl, Fisch und seine Natur. Was haben Sie denn noch zu bieten?
Eine ganze Menge. Einige Kompetenzen aus der Ölwirtschaft lassen sich auch gut auf den Gesundheitssektor übertragen oder die Landwirtschaft, gerade wenn es um die Digitalisierung oder Softwareanwendungen geht. Wir sehen in der medizinischen Industrie, Biotechnik aber auch bei erneuerbaren Energien große Potenziale. Das Universitätskrankenhaus in Stavanger forscht beispielsweise, wie die Expertise über Rohre und Pumpen auch im kleinen Maßstab etwa in die Gehirn- oder Herzmedizin überführt werden kann.

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  • Schon blöd, Herr Gosebruch, wenn man den Absatz gar nicht verstanden hat.

  • In dem Moment als ich las, dass Frau Anita Krohn Traaseth der Meinung ist, die Erkenntnisse der Ölpipelines auch in der Hirnforschung einsetzen zu können um die Wirtschaft Norwegens umzustellen war mir klar, dass alles was die Dame über das Thema "Wirtschaftsumstellung in Norwegen" berichten kann allenfalls für die Satire-Kolumne taugt.
    Sorry, aber wenn das alles ist was der Dame dazu einfällt dann wird das wohl nichts werden.

  • Ich interpretiere die Nachrichten betreffend Norwegen so, dass man dort nach wie vor auf Honig gebettet schläft. Frauenquoten in Aufsichtsräten und der Ausschluss von Kohleförderern aus dem Investitionsfonds sind in erster Linie ökoreligiöse und linke Wohlfühlthemen.

    Sinnvoll für eine Diversifizierung der norwegischen Wirtschaft wären der Bau weiterer Wasserkraftwerke (Wegen des Umwelt- und Landschaftsschutzes kaum zu erwarten), der Bau von Petrochemieanlagen zur Verarbeitung des Rohöls u.v.m.

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