Notenbank unter Druck
Türkische Lira fällt auf Rekordtief

Die türkische Notenbank hat den Leitzins auf 7,5 Prozent gesenkt, doch der Regierung in Ankara ist das zu wenig – und fordert weitere Zinssenkungen. Die Lira reagiert und fällt auf den tiefsten Stand aller Zeiten.
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IstanbulDie türkische Regierung erhöht abermals den Druck auf die Notenbank, den Leitzins weiter zu senken. Dieser müsse auf sechs Prozent gedrückt werden, forderte Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci am Freitag der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge. Die Zentralbank hatte am Dienstag den Schlüsselsatz zur Versorgung des Bankensystems mit Geld um einen Viertelprozentpunkt auf 7,5 Prozent gesenkt. Dies ist der Regierung zu wenig. Wenn man einen Zinssatz von zwölf bis 13 Prozent als Händler bei der Bank zahlen müsse und wenn eine Inflationsrate von rund fünf Prozent erwartet werde, dann seien Nettokosten von sieben Prozent nicht hinnehmbar, sagte Zeybekci.

Auch Präsident Recep Tayyip Erdogan hat der Zentralbank eine falsche Zinspolitik vorgehalten und die Frage aufgeworfen, ob sie unter „externem Einfluss“ stehe. Die Zinspolitik der Währungshüter sei der türkischen Wirtschaft nicht dienlich, hatte Erdogan am Mittwoch moniert.

Im Kreuzfeuer steht allen voran Notenbankpräsident Erdem Basci. So kursierten Gerüchte, er werde zurücktreten. Dem widersprach Basci: Wer ein öffentliches Amt übernommen habe, solle seine Pflicht auch bis zum Ende der Amtszeit erfüllen, sagte er im Sender CNN Türk. Er werde auf seinem Posten bleiben. Sein Fehlen bei der Arbeit am Donnerstag, das die Rücktrittsgerüchte genährt hatte, erklärte Basci mit einem Gesundheitstest, der keine ernsthaften Probleme ergeben habe.

Die Rücktrittsgerüchte ließen die türkische Lira auf ein neues Rekordtief fallen. Ein Dollar kostete mit 2,5270 Lira so viel wie nie zuvor. Der Leitindex der Istanbuler Börse verlor knapp zwei Prozent. Auch aus den türkischen Anleihemärkten zogen sich die Investoren zurück: Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen stieg auf 8,56 Prozent von zuvor 8,21 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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