Notenbank-Vize
Die Franken-Deckelung ist „absolut notwendig“

Der Schweizer Franken ist an einen Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro gekoppelt. Der SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine sieht kein Inflationsrisiko und verteidigt die Deckelung.
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ZürichDie Franken-Deckelung der Schweizerischen Nationalbank ist angesichts der Euroraum-Krise zu einer Zeit, wo in der Schweiz keine Inflationsgefahr besteht, nach den Worten von SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine sehr wichtig.

„Es besteht offsichtlich kein Inflationsrisiko“, sagte Danthine am Montagabend in einer Rede in Morges. Der Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro sei eine „absolute Notwendigkeit“.

Die SNB hatte den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro 2011 eingeführt und den Leitzins auf Null gesenkt, um die Wirtschaft vor Deflation und Rezession zu schützen. Obwohl der Euroraum der größte Handelspartner des Landes ist, gelang es der Schweiz, eine Rezession wie in der europäischen Währungsunion zu vermeiden.

Eine Verschärfung der Euroraum-Krise könnte erneut zu Aufwertungsdruck auf den Franken führen, sagte Danthine und bekräftigte damit die jüngste Einschätzung der SNB in ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung vor knapp zwei Wochen.

Investoren neigen dazu, den Schweizer Franken in unsicheren Zeiten als sicheren Hafen zu kaufen. „Wir gehen davon aus, dass in einer Situation, in der sich die Lage normalisiert, der Franken nachgeben sollte“, erklärte Danthine.

Der Franken notierte am Dienstagmorgen zum Euro bei 1,2204 Franken 0,1 Prozent schwächer. Gegenüber dem Dollar war er bei 94,81 Rappen kaum verändert.

Infolge der Verteidigung des Mindestkurses sind die Fremdwährungsreserven der SNB angeschwollen. Im vergangenen Jahr gab die eidgenössische Notenbank 188 Mrd. Franken (154 Mrd. Euro) für ausländische Devisen aus, zehnmal soviel wie 2011. Fast die Hälfte der Reserven ist in Euro.

Danthine sagte, die SNB könne ihre Bilanz unbegrenzt ausweiten. Sie sei bereit, erhebliche Verluste oder auch Gewinne in Folge ihrer Deckelungspolitik hinzunehmen. Im Jahr 2010 verzeichnete die SNB wegen ihrer Interventionen am Devisenmarkt einen Rekord-Jahresverlust.

Die Zwänge der Geldpolitik haben auch höhere Priorität als die Reduzierung der Bilanz, erklärte der SNB-Vizepräsident. „Wenn wir wirklich die Bilanz langfristig reduzieren wollen, müssen wir diese Devisen verkaufen“, sagte Danthine. „Aber das können wir nur, wenn die Geldpolitik dies zulässt.“

Agentur
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Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • Die Sprache hat in der Politik und den Medien nur noch die Funktion zu verschleiern, zu verdrehen, zu entstellen.

    Meine Lieblingsbegriffe: "Die Deutschen", "alternativlos, "Fraktionsdisziplin" und ganz oben "Reform".

  • "notwendig", "systemrelevant", "auf einem guten Weg". Da gehen bei mir sämtliche Alarmsirenen an!!!

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