Notenbankchef Duisenberg plädiert für Aufwertung der asiatischen Währungen
Währungsexperten teilen Sicht der EZB

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, erhält Rückendeckung von internationalen Währungsexperten: Duisenbergs Einschätzung sei richtig, dass nun vor allem die asiatischen Volkswirtschaften durch eine Aufwertung ihrer Währungen einen Beitrag zum Abbau globaler Ungleichgewichte in den Handelsbilanzen leisten müssten. Allerdings erwarten einige Fachleute trotzdem, dass die asiatischen Währungen den Eurokurs im Verhältnis zum Dollar mit nach oben ziehen.

FRANKFURT/M. Duisenberg hatte am Montag mit Blick auf die Kursgewinne des Euros seit der Erklärung von Dubai gesagt, die Märkte hätten die Erklärung missverstanden. Es sei in der Resolution der sieben größten Industrienationen (G7) am 20. September nicht um das Kursverhältnis des Euros zum Dollar gegangen. In der Erklärung hatten sich die G7 für mehr Flexibilität der Wechselkurse ausgesprochen. Zuvor hatte Duisenberg in einem Zeitungsinterview mehr Flexibilität der Wechselkurse der stark wachsenden asiatischen Länder gefordert, da andernfalls Europa ein Übermaß an Belastung durch die notwendige Korrektur des Dollarkurses tragen müsse.

Seit Dubai haben der Euro und der japanische Yen in etwa gleich stark gegenüber dem Dollar aufgewertet. Andere asiatische Währungen haben ebenfalls aufgewertet, zumeist aber in geringerem Umfang.

Stephen Saywell, Währungsstratege der Citigroup in London, stimmt Duisenberg zu. „In der Vergangenheit hat vor allem der Euro aufgewertet. Damit hat Europa seinen Beitrag zum Abbau der globalen Ungleichgewichte geleistet. Nun muss Asien sich beteiligen“, meint Saywell. Er rechnet nicht mit einer weiteren Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar.

Wenn von weltwirtschaftlichen Ungleichgewichten die Rede ist, steht das Defizit der USA im Handel mit Gütern- und Dienstleistungen im Vordergrund, das bereits rund fünf Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts erreicht hat. Vor allem gegenüber Asien haben die USA ein hohes Defizit.

Auch Stephen Li Jen, Währungsstratege der Investmentbank Morgan Stanley in London hält es für nicht gerechtfertigt, dass der Euro mit dem Yen am Devisenmarkt nach oben gezogen wurde. Japan habe in diesem Jahr gegenüber dien wichtigsten Handelspartnern im Durchschnitt erst 2,5 Prozent aufgewertet. „Europa hat die Schmerzgrenze, ab der es für die Konjunktur gefährlich wird, schon fast erreicht. Japan ist noch weit davon entfernt“, ist Jen überzeugt. Für ihn liegt der faire Wechselkurs bei rund 117 Yen je Euro. Gegenwärtig beträgt der Kurs rund 128 Yen. Die japanische Währung werde stärker aufwerten als die europäische und sich damit auf den fairen Kurs zu bewegen, prognostiziert Jen.

„Was Duisenberg gesagt hat war vernünftig“, meint David Mackie, Europa-Chefvolkswirt von JP Morgan Chase. Der Euro habe bereits genug aufgewertet, nun sei eigentlich Asien dran. Mackie bezweifelt allerdings, dass der Euro weniger aufwerten werde als etwa der Yen. „Die Marktstimmung drückt den Dollar auf breiter Front nach unten, auch gegen den Euro“, glaubt Mackie, zumal die EZB sich im Gegensatz zur Bank von Japan kaum gegen die Aufwertung stemmen werde.

Auch für Richard Koo, Chefvolkswirt der japanischen Bank Nomura, geht es den USA vor allem darum, eine Abwertung des Dollar gegenüber den asiatischen Währungen zu erreichen. Anders als der Euro sei der japanische Yen klar unterbewertet, urteilt der Experte. US–Präsident George Bush müsse für die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr zeigen, dass er etwas für den Arbeitsmarkt tue, meint Koo.

John Llewellyn, Chefvolkswirt der Investmentbank Lehman Brothers, teilt diese Einschätzung. Die Verantwortlichen in den USA seien nicht mehr bereit, hinzunehmen, dass die Vorteile der stark gelockerten Geld- und Fiskalpolitik in so großem Maße ins Ausland abfließe. Ein schwächerer Dollar könne dazu beitragen, dies abzustellen. Llewellyn rechnet allerdings damit, dass nicht nur der Yen sondern auch der Euro im Verhältnis zum Dollar weiter zulegt.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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