Notenbanken sitzen auf riesigen Reserven
China bringt Phantasie in den Goldmarkt

Der Anstieg des Goldpreises um fast 15 Prozent im Mai hat den Optimisten neuen Auftrieb verliehen. Doch sollten Anleger ihre Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Denn der der Markt ist relativ eng, so dass bereits wenige Transaktionen die Preise deutlich bewegen. Und die Notenbanken sitzen noch auf riesigen Goldreserven. Für Gold spricht die Dollarschwäche sowie die bevorstehende Öffnung des Goldmarkts in China.

JOHANNESBURG. China plant eine Reihe von Reformen, die individuellen Investoren erstmals den Handel mit dem gelben Metall erlauben würden. „Sobald Chinas Bürger ihr Geld in Gold stecken dürfen, wird die Nachfrage dort drastisch steigen“ glaubt Ian Williams von der Londoner Investmentfirma Durlacher. Er ist der Ansicht, dass Gold sich mittlerweile auf einem Niveau über 350 Dollar konsolidiert hat und mit einem weiteren Preisanstieg zu rechnen ist.

In der vergangenen Woche war der Goldpreis mit 375 Dollar pro Feinunze erstmals seit knapp vier Monaten wieder in die Nähe des Sechsjahreshochs von 388 Dollar gestiegen. Seither ist Gold wieder auf gut 360 Dollar gefallen.

Die weltweite politische Unsicherheit hat Gold als Krisenanlage attraktiv gemacht. Angesichts der Schwäche der Weltwirtschaft prophezeit die Londoner Rohstoffspezialisten vom Gold Fields Mineral Service (GFMS) für die zweite Jahreshälfte einen Preis von über 350 Dollar pro Unze. Auch Alberto Arias von Goldman Sachs und Patricia Mohr von der Scotiabank Group erwarten für das Jahr 2003 einen durchschnittlichen Goldpreis in dieser Höhe. Ihre Gründe: Die Dollarschwäche und das rekordtiefe Zinsniveau.

Andere Experte warnen vor allzu rosigen Szenarien. Gold hat nach ihrer Meinung zuletzt vor allem deshalb zugelegt, weil der schwache Dollar viele Spekulanten in den Markt getrieben habe und weiterhin die Angst vor neuen Terroranschlägen bestehe. Das größte Problem mit den Spekulanten bestehe darin, dass sie das edle Metall nicht in Händen halten, sondern nur an den kurzfristigen Preisausschlägen verdienen wollten. Michael Durose von Morgan Stanley rechnet bei Gold zunächst mit einer Preiskorrektur. Der jüngste Preisanstieg sei auch dadurch hervorgerufen worden, dass ein Vertragspartner des kanadischen Produzenten Newmont von seinem Recht Gebrauch gemacht habe, einen Terminkontrakt vor Fälligkeit zu schließen. Die darauf folgende Eindeckung von Leerverkäufen (Spekulation auf fallende Preise) habe die Goldhausse verstärkt. „Wir glauben, dass Gold jetzt eine Pause einlegt, bevor es erneut in höhere Regionen streben wird“, sagt Durose.

"Gold und Goldaktien haben Zukunft"

Kamal Naqvi von der Macquarie Bank argumentiert, die Minenproduktion sowie die aus dem Recycling und den Zentralbank-Beständen resultierenden Vorräte würden noch immer die Nachfrage überschreiten. Fundamentale Faktoren sprächen daher trotz des unsicheren globalen Umfelds gegen eine lange Goldhausse. So erwartet Analystin Mohr für 2004 einen Rückgang des Goldpreises auf durchschnittlich 325 Dollar je Feinunze.

Ungeachtet ihrer zunächst noch positiven Haltung zu Gold stufen die Experten von Goldman Sachs die Unternehmen der Goldminenbranche als „neutral“ ein. Wesentlich optimistischer ist dagegen der kanadische Großfinanzier Walter H. Berukoff, der über zahlreiche Minen-Interessen in den lateinamerikanischen Ländern verfügt. „Gold und Goldaktien haben eine große Zukunft“, sagt Berukoff in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Ein Grund für seinen Optimismus: Die Anleger hätten es nach dem Platzen der Technologie-Blase satt, in virtuelle Werte zu investieren. Gold übe eine große Anziehungskraft aus.

Goldman Sachs hatte die Analyse der großen Goldproduzenten erst im März 2003 wieder aufgenommen – also lange nach der Preiswende am Goldmarkt. Goldman-Analyst Arias traut Newmont Mining und Placer Dome überdurchschnittliche Kurschancen zu. Für Barrick Gold erwartet er dagegen eine nur durchschnittliche Kursentwicklung.

Goldaktien seien niedrig bewertet, sagt Morgan-Stanley-Analyst Durose. Er sieht noch gute Kursperspektiven. „Wir glauben nicht, dass Goldaktien eine Minuskorrektur des Goldpreises nachvollziehen würden.“ Barrick Gold, Newmont und Gold Fields stuft der Analyst mit „Übergewichten“ ein.

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