Notierung des Edelmetalls markiert neues 16-Jahres-Hoch
Analysten verschlafen die Gold-Hausse

Gold erstrahlt in neuem Glanz. Der Preis des Edelmetalls ist gestern mit zeitweise 480 Dollar pro Unze auf ein neues 16-Jahres-Hoch gestiegen. Die meisten Analysten sehen zwar kein größeres Steigerungspotenzial mehr. Den Markt interessiert dies aber wenig, wie das steigende Kaufinteresse zeigt.

FRANKFURT/M. Im ersten Halbjahr 2005 ist die Nachfrage nach Gold außergewöhnlich stark gestiegen, berichtet der World Gold Council (WGC). Gegenüber dem ersten Halbjahr 2004 wurden 329 Tonnen oder 20 Prozent mehr Gold nachgefragt. Die durchschnittlichen Preiserwartungen für 2005 und 2006 von 435 bis 445 Dollar je Feinunze werden von den meisten Häusern jetzt vorsichtig nach oben angepasst. „Was für Gold spricht, ist allein das positive Chartbild“, zeigen sich die Analysten von CSFB in London weiter sehr zurückhaltend. Die Fachleute haben ihre Durchschnittsprognose für 2006 von 375 auf 430 Dollar je Feinunze nach oben gesetzt und liegen damit deutlich unter dem aktuellen Niveau.

Wahrscheinlich sei die Meinung des Marktes zu vorsichtig, sagt Stefan Schilbe, Chefvolkswirt von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Für das nächste Jahr rechnet er mit einem Anstieg des Goldpreises deutlich über 500 Dollar. Er begründet dies mit der weltweit hohen Liquidität und der Erwartung eines weiter schwachen Dollars. Positiv sei zu registrieren, dass Gold zuletzt nicht nur in US-Dollar, sondern auch in anderen Währungen Mehrjahreshochs erreicht habe.

Stephen Li Jen von Morgan Stanley vermutet Asiens Notenbanken hinter dem jüngsten Goldpreisanstieg. Jen sieht die Möglichkeit, dass sie in jüngster Zeit Gold zur Diversifizierung ihrer Währungsreserven zugekauft haben. Die Notenbanken Japans, Chinas, Koreas und Taiwans halten bislang nur ein bis zwei Prozent ihrer Währungsreserven in Gold. Diese Größe liege im Schnitt der Notenbanken weltweit bei 8,7 Prozent. „Würden diese vier Notenbanken ihre Goldbestände auf fünf Prozent der Währungsreserven anheben, entspräche dies einem Wert von 109 Mrd. Dollar“, sagt Jen. In den Statistiken des WGC per Ende September spiegeln sich allerdings keine nennenswerten Zukäufe der Asiaten wider.

Die europäischen Zentralbanken haben in den vergangenen zwölf Monaten Gold verkauft. Weltweit haben sich die Zentralbanken von 615 Tonnen Gold getrennt, so der WGC. Davon entfallen 352 Tonnen auf die Notenbanken des Eurosystems und 497 Tonnen auf die 15 europäischen Notenbanken, die am 8. März 2004 das erste Goldabkommen erneuert hatten. Dieses war im September 1999 geschlossen worden, um den Goldmarkt zu stabilisieren.

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