Notierungen auf höchstem Stand seit 23 Jahren
Chinesische Nachfrage treibt Palmölpreise

Wie bei den Metallen, Rohöl und den Getreiderohstoffen hat China mit seinem rapide wachsenden Bedarf auch bei Palmöl die Preise kräftig nach oben getrieben. Derzeit liegen die Notierungen auf dem höchsten Stand seit 23 Jahren. Marktkenner halten einen weiteren Preisanstieg für vorprogrammiert.

LONDON. Allein im ersten Quartal 2007 brauchte China 38 Prozent mehr Palmöl als noch im Vorjahr. Hinzu kommt die wachsende Nachfrage Indiens und der Europäischen Union.

Chris de Lavigne von der Beraterfirma Frost and Sullivan wagt daher eine aus heutiger Sicht noch kühne Prognose: „Ich sehe einen Preis von 1 000 Dollar je Tonne.“ Aktuell notiert Palmöl bei 750 Dollar je Tonne und damit auf dem höchsten Stand seit rund 23 Jahren. Der Preis hat binnen Jahresfrist an der Börse in Kuala Lumpur fast 50 Prozent zugelegt.

Laut Alvin Tai vom OSK Research in Kuala Lumpur wird bis 2010 ein Defizit von jährlich sieben Millionen Tonnen am Weltmarkt klaffen. Das sei bei einem Jahresaufkommen von etwa 37 Mill. Tonnen eine gewaltige Fehlmenge. Neben der starken Nachfrage aus China begünstigt vor allem der wachsende Wohlstand in der Welt das Palmöl. Gebraucht wird der Rohstoff in Lebensmitteln, Seifen, Waschmitteln und Kosmetika. Hauptanbaugebiete sind Malaysia und Indonesien; hier werden rund 87 Prozent des Öls gewonnen. Einen zusätzlichen Schub erhält der Palmölmarkt durch den von Brüssel vorgeschriebenen Bioanteil in Kraftstoffen von mindestens 7,5 Prozent ab 2010.

David Ferguson von der Citigroup Markets in Jakarta ist sich daher sicher, dass der Preis noch zusätzlichen Auftrieb erhalten wird, wenn Biokraftstoff „demnächst auch in Asien abhebt“. Ein Drittel des Weltmarkts für Biodiesel könnte schon bald auf die Region entfallen. Die Regierung in Indonesien erwäge bereits, die Steuer auf Biokraftstoff zu halbieren. Damit wolle sie den Absatz des Kraftstoffs durch die staatliche Ölgesellschaft PT Pertamina fördern.

Die weltweiten Vorräte an Palmöl schrumpfen indes rapide. In Malaysia fielen sie allein im April um zwölf Prozent auf 1,18 Mill. Tonnen und damit den niedrigsten Stand seit Mai 2004. Mit etwa 750 Dollar ist Palmöl inzwischen fast so teuer wie Sojaöl. Darüber sorgt sich ein Sprecher des Handelshauses PT Salim Oil Grains in Jakarta. „Schließlich steht Palmöl in unmittelbarem Wettbewerb zu Sojaöl.“ 2006 sei Palmöl noch etwa 16 Prozent billiger gewesen.

Ungeachtet möglicher Preiskorrekturen halten auch Marktkenner in London einen weiteren Preisanstieg für „vorprogrammiert“. Die Ankündigung Indonesiens, es werde die Palmölproduktion bis zum Jahr 2015 von derzeit 17 Mill. auf 27 Mill. Tonnen steigern, wird am Markt gelassen gesehen. Denn schon jetzt sei Jakarta mit der Bepflanzung neuer Flächen ins Hintertreffen geraten. Jährlich müssten für eine solche Produktionssteigerung eine Million Hektar bepflanzt werden. Und bis zu ihrer „Produktionsreife“ brauchten die Palmölbäume immerhin vier Jahre, ergänzen die Preisoptimisten.

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