Notierungen liegen auf dem höchsten Stand seit über vierzehn Jahren
Die Abnehmer müssen bei Zinn einen Aufpreis in Kauf nehmen

Eine „backwardation“ an der Londoner Metallbörse (LME) bildet sich immer dann, wenn sich der Markt Sorge über die unmittelbare Versorgung mit einem Metall macht. Dieser Punkt, ein Aufgeld für Kassaware, ist bei Zinn erreicht.

LONDON. Sofort verfügbares Material war vor den Ostertagen mit zeitweise 9 112 Dollar je Tonne um etwa 300 Dollar teurer als Ware zur Lieferung in drei Monaten. Kein anderes Metall an der LME hat zurzeit eine derart hohe backwardation. Bei ihren Käufen sind die Abnehmer bereit, Aufpreise für Zinn zu zahlen.

Mit der Verdoppelung seines Preises binnen Jahresfrist liegt Zinn mit an der Spitze des Preisentwicklung bei den Industriemetallen. Ingrid Sternby von Barclays Capital fasst nochmals die Hauptantriebskräfte für die gegenwärtige Metallpreishausse zusammen: zunächst hätten im vergangenen Jahr Spekulanten die Notierungen getrieben, dann beschleunigte der Aufschwung der asiatischen Volkswirtschaften – vor allem Chinas – den Aufwärtstrend. Und inzwischen lasse die Erholung der Wirtschaft in den USA die Nachfrage nach Rohstoffen generell und damit insbesondere nach Industriemetallen weiter steigen. Das silberweiße Metall wird in der Industrie zur Herstellung von Weißblechen, beispielsweise für Konservendosen, benötigt. Reines Zinn bietet als Überzug auf anderen Metallen einen Korrosionsschutz und wird zum bleifreien Löten eingesetzt.

Analysten zufolge verschärfen Produktionsengpässe bei den Anbietern – zum Teil aus technischen Gründen – die gegenwärtige Angebotslage. So gab vor kurzem die indonesische PT Tambang Timah, der größte Zinnproduzent der Welt, für das Jahr 2003 einen Rückgang der Konzentratproduktion auf 43 948 Tonne bekannt. Die Konzentratvorräte von Timah verringerten sich bis Ende 2003 um rund 81 % auf nur noch 1 978 (Ende 2002: 10 457) Tonnen.

Die Verknappung spiegelt sich auch in der rapiden Verringerung der Vorräte insgesamt wider. Bei Zinn sind die Bestände in den Lagerhäusern der Londoner LME seit Jahresbeginn um die Hälfte auf nur noch 6 800 Tonnen zusammengeschmolzen. Anfang 2002 waren sie dagegen noch etwa fünfmal so hoch. Analysten erwarten bis zum Jahr 2006 ein Produktionsdefizit bei dem Metall. Überdies droht China seine Rolle als Netto-Exporteur einzubüßen, einerseits wegen des wachsenden Eigenbedarfs, andererseits wegen der weltweiten Verknappung an Zinnkonzentrat.

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