„Nur“ 27,6 Millionen Dollar Erlös
Teurer Diamant enttäuscht die Erwartungen

Der Wert klingt gigantisch: Für 27,6 Millionen Dollar wurde nun ein blauer Diamant des Minenbetreibers Petra Diamonds verkauft. Die Erlössumme enttäuscht Analysten. Doch es könnte noch eine Überraschung folgen.
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Zuletzt war sogar ein höherer Preis erwartet worden, doch letztlich kamen nun 27,6 Millionen Dollar bei dem Deal herum: Für diese Summe haben die Londoner Edelsteinspezialisten von Petra Diamonds einen blauen Diamanten mit 122,52 Karat verkauft. Der Stein, der im Juni in der Cullinan-Mine in Südafrika gefunden worden war, wechselt aber vorerst nicht in Privatbesitz, sondern wird zunächst geschliffen und poliert. Käufer ist ein anonymer Partner, wie Petra am Dienstag mitteilte. Petra behält zunächst selbst Anteile an dem Diamanten im Wert von 4,1 Millionen Euro, was 15 Prozent der Kaufsumme entspricht. Wenn der Stein im Endzustand weiterverkauft wird, erhält Petra im Gegenzug eben diesen Anteil der Erlöse, so der Deal. „Wir sind sehr glücklich, dieses Arrangement gefunden zu haben. Es beweist die exzellente Wertigkeit roher Diamanten und gibt Petra die Möglichkeit, noch künftig von der Wertsteigerung des Steins zu profitieren“, kommentierte Petra-Chef Johan Dippenaar das Geschäft. Man werde die Öffentlichkeit über den weiteren Weg des Diamanten auf dem Laufenden halten.

Beobachter der Branche bewerten den Deal ein wenig anders. Das sei nun kein desaströses Ergebnis – zumal ja noch Mehreinnahmen durch den Verkauf des veredelten Steins erwartbar seien, sagt Alison Turner, Analyst bei Panmure Gordon der Agentur Reuters. Dennoch untertraf der Verkauf die Erwartungen von Analysten wie Turner: Er hatte in seinen Schätzungen 35 bis 40 Millionen Dollar prognostiziert. Doch farbige Edelsteine seien ohnehin sehr schwierig zu bewerten, so Turner zu Reuters: „Die Farbintensität kann den Wert eines Steines im Vergleich zu einem weißen Stein ohne Weiteres um den Faktor Zehn steigern.“

Die blaue Farbe kommt durch den Stoff Boron zustande, der in den Kristallstrukturen einiger Diamanten eingeschlossen ist. Blaue Diamanten sind extrem selten, doch genaue Daten über ihre Häufigkeit oder die exakte Zahl geborgener Steine liegen nicht vor. Auch Petra gibt auf seiner Seite nur einen groben Überblick: Das Unternehmen listet 24 bedeutende blaue Diamanten auf. Der nun gefundene Stein liegt hinsichtlich der Karatzahl eher im Mittelfeld. Der Verkaufspreis übertrifft die meisten der Steine – allerdings nicht, wenn man den Erlös auf die Karatzahl umrechnet. Während der jetzige Deal 225.269 Dollar pro Karat brachte, lag etwa die Summe beim so genannten „Star of Josephine“, der 2009 über das Auktionshaus Sotheby's veräußert wurde, bei 1,35 Millionen Dollar pro Karat. Dies war bis dato auf Karat heruntergebrochen die höchste jemals mit einem blauen Diamanten erzielte Summe. Der Rekord wurde im Mai 2014 eingestellt, als über Christie's der so genannte „Winston Blue“ veräußert wurde: Für 1,8 Millionen US-Dollar pro Karat. An diese Werte reicht der nun verkaufte Stein bei Weitem nicht heran.

Angesichts des generell hohen Wertes der Blaudiamanten ist es für den Minen-Betreiber Petra ein großer Erfolg, dass er seit Januar zwei große blaue Diamanten in seiner Cullinan-Mine gefunden hat. Die Mine nahe Pretoria wurde 1905 durch den Fund des namensgebenden Cullinan-Diamanten berühmt, von dem sich Teile in der Kronjuwelen-Sammlung des Tower of London befinden. Cullinan ist für die Funde von Blaudiamanten bekannt und somit einer der interessanteren unter den sechs Standorten des Unternehmens Petra.

Die Enttäuschung über den Deal zeigte sich am Dienstag auch daran, dass der Kurs von Petra Diamonds an der Londoner Börse um 0,61 Prozent auf 192,2 Pence pro Aktie nachgab.

Dies könnte auch daran liegen, dass einige Beobachter ob der Beteiligung von Petra selbst an dem Deal skeptisch sehen. „Petra ist Teil einer Partnerschaft, die den Stein kauft. Das lässt uns an der Robustheit des Marktes für diese super großen Diamanten zweifeln“, erklärt Cailey Barker von der Agentur Numis Securities gegenüber Reuters.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Karen Grass
Karen Grass
Handelsblatt / Freie Journalistin

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